UTZ CERTIFIED – ein guter Schritt oder der Versuch, Fairtrade- und Biostandards zu unterlaufen?

In der aktuellen Balisto Fernseh-Werbung wird mit dem UTZ Siegel geworben. Dieses bisher eher unbekannte Siegel soll „nachhaltiges Naschen“ garantieren. Bei der Recherche über die Kooperationspartner lassen die offiziellen Kakao- und Kaffeepartner wie Nescafé, McDonalds oder Lidl aufhorchen. Denn wie in dem Internetbericht “Nachhaltig Naschen mit Balisto?“ auf weeyoo.de zu lesen ist, sind das „Unternehmen bei denen Fairness und ökologische Ansprüche nicht das erste sind, woran man unbedingt denkt“.

Die holländische Non-Profit-Organisation, die 2002 gegründet wurde, reklamiert für sich, „verantwortungsbewusst gegenüber Mensch und Natur [zu] produzieren“. Beim ersten Hinsehen wirken die Standards ähnlich wie jene der etablierten Fairtrade oder Bio-Siegel. Der genaue Vergleich zeigt aber doch gewichtige Unterschiede. Der weeyoo.de-Artikel führt als Beispiel an, dass beim UTZ-Siegel Pestizide auf ein „Minimum“ reduziert werden müssten. Von „Bio“ ist man also weit entfernt.
Am schwersten wiegt aber wohl der Umstand, dass die langfristige finanzielle Absicherung der ProduzentInnen beim UTZ-Siegel keinesfalls garantiert ist. Wenn man dahinter böse Absicht sehen will und die Sache zuspitzt, könnte man behaupten, dass die ProduzentInnen von den großen, global agierenden Konzernen für einen Werbegag ausgenutzt werden.

Was soll man also von diesem bereits weltweit verwendeten Siegel halten? Ist es der Versuch gewinnorientierter Unternehmen, das eigene soziale Gewissen und das der KonsumentInnen zu beruhigen und die strengen und daher teuren Standards unter anderem von Fairtrade zu unterlaufen, oder ein Schritt in die richtige Richtung?

Am 14. Februar 2011 haben Fairtrade, SAN/Rainforest Alliance und UTZ CERTIFIED eine gemeinesame Erklärung veröffentlicht. Darin heißt es: „Wir respektieren die sich ergänzenden Aspekte in unserer Arbeit, die zum Ziel hat, die Landwirtschaft und den Handel weltweit nachhaltig auszurichten.“ Das klingt nach einem „Ziehen am gleichen Strang“. Bleibt zu hoffen, dass nicht langfristig die „billigste“ Variante alle anderen verdrängt.

Linkliste:
Fairtrade Österreich
weeyoo-Artikel “Nachhaltig naschen mit Balisto?”
Gemeinsame Erklärung von Fairtrade, SAN/Rainforest Alliance und UTZ CERTIFIED vom 14.2.2011
UTZ Siegel
ISEAL – Globale Vereinigung für Sozial- und Umweltstandards (englisch)

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Veröffentlicht am 6. September 2011 in Politik & Gesellschaft, Theologie & Kirche, Wirtschaft und mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 2 Kommentare.

  1. Danke, das ist der erste wirklich unabhängige und objektive Artikel/Webeintrag, den ich über “UTZ” finde!
    Markus aus Wien

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