Archiv der Kategorie: Kommunikation

Blogstöckchen aufgenommen – Gespräch von Blog zu Blog


„Ein Blog sollte nicht nur der Information, sondern auch der Kommunikation dienen. Vernetzung lautet das Zauberwort. Eine Möglichkeit, mit anderen Blogschreiberinnen und -schreibern in Austausch zu kommen, ist es, sich in der Art von Kettenbriefen gegenseitig Fragen zu stellen und um Beantwortung zu bitten, „Blogstöckchen“ genannt.“ – so schreibt Andrea Rehn-Laryea im Blog der Katholischen Urlauberseelsorge in der Lüneburger Heide. Andrea durfte ich im Sommer in Wien persönlich kennenlerenen.

Die fünf Fragen, die sie (@KircheHeide) unter anderem mir (@sprichmitmir) via Twitter stellte, beantworte ich hier:

Kirche/Religion im Urlaub: Besuchst du Kirchen/Gotteshäuser, Gottesdienste oder kirchliche/religiöse Veranstaltungen und warum bzw. warum eher nicht, niemals?

Im Urlaub sehe ich mir sehr gerne Kirchen, Klöster, Ausgrabungen oder Museen an. Sie vermittteln einen Eindruck von Kirche, Religiosität, Kultur und Gesellschaft in anderen Ländern bzw. in der Vergangenheit. Religiöse Veranstaltungen und Gottesdienste besuche ich das Jahr hindurch genug, da nehme ich mir im Sommer eher eine Auszeit, auch um danach die eigene religiöse Praxis wieder mit einem gesunden Abstand sehen und beurteilen zu können.

Mit welcher biblischen Person würdest du dich gerne mal unterhalten und worüber?

Mit Jesus. Ich würde über alles Mögliche mit ihm reden wollen. Außerdem würde ich gerne mit einer der bekannten alttestamentlichen Figuren wie Abraham, Sara oder Mose reden wollen. Und dazu natürlich die entsprechende Zeit haben.

Eine Flut von Adventskalendern bricht demnächst über uns ein. Was für einen bevorzugst du: online, per Mail, mit Schoki & Co, gekauft oder selbstgemacht, gar keinen, …?

Seit ein paar Jahren haben meine Frau und ich den „Andere Zeiten e.V. Initiativen zum Kirchenjahr“ Adventkalender aus Hamburg in Verwendung. Eine gute Freundin hat ihn mir schon manchmal zum Geburtstag einen Monat vor Adventbeginn geschenkt. Meine Frau und ich lesen jeden Tag bei einer Mahlzeit vorher oder nachher den Tagesimpuls. Dabei brennt meist eine Kerze. Online hab ich auch schon bei einem Adventkalender mitgemacht.

Wie feierst du am liebsten Weihnachten: in der Familie, mit Freund_inn_en, alleine, auf einer Feier für und mit Einsamen und/oder Obdachlosen, im Kloster, ruhig oder Party, bei der Arbeit, …?

Seit vielen Jahren feiern meine Frau und ich den Heiligen Abend und den Weihnachtstag bis Mittag bei ihren Eltern. Die Reihenfolge ist: Bratwürstel essen, Kerzen am Christbaum entzünden, Schwiegervater liest Weihnachtsevangelium, Texte und Lieder werden gelesen und gesungen, Geschenke werden ausgepackt und Kekse verkostet. Um 23 Uhr geht’s dann zur Christmette. Am Weihnachtstag Messe, festliches Mittagessen. Seit 2012 arbeite ich als Pastoralassistent, dieses Jahr bin ich am 24. Dezember zwei Mal im Dienst, Kindermette und Christmette in meiner Dienstpfarre, das restliche „Programm“ bleibt gleich. Ab nächstem Jahr wollen meine Frau und ich gemeinsam mit unserer dann zwei Jahre alten Tochter zu dritt daheim feiern am Heiligen Abend. Wie das drumherum aussehen wird, wird sich zeigen.

Welches ist nach deiner Meinung die größte Herausforderung für die Kirchen in den nächsten Jahren?

(Europa) Ich sehe drei große Herausforderungen für die Kirchen in den nächsten Jahren. Die erste liegt m.M. nach im verstärkten Dialog mit den anderen Weltreligionen, im Ausbau der ökumenischen Beziehungen auf allen Ebenen. Die zweite große Herausforderung orte ich im Dialogfähig werden der Kirchen gegenüber einer zunehmend säkularen Gesellschaft. Dazu gehören basiskirchliche Vernetzung sowie glaubhafte Einzelpersonen, denen eine Teilung in „Kirche“ und „Welt“ fremd ist. Und die dritte Herausforderung liegt meiner Ansicht nach in der innerkirchlichen Rückbesinnung auf die jesuanischen und biblischen (besonders jüdischen) Wurzeln der Kirche. Die nächsten Jahre werden nicht reichen, es werden wohl Jahrzehnte.

So, und nun möchte ich das „Blogstöckchen“ mit meinen Fragen weitergeben. Direkt eingeladen habe ich
Melanie Wurzer (Twitter: @MelanieWurzer, Blog: melaniewurzer.blogspot.co.at)
Ferdinand Kaineder (Twitter: @fkaineder, Blog: kaineder.at)
Michael Haderer (Twitter: @Haderer, Blog: michael.haderers.at)
David Schellander (Twitter: @schellcom, Website: davidschellander.com)
Doris Neuhofer (Twitter: @nedo04, Blog: borsetta.wordpress.com)

Natürlich kann auch jede und jeder andere, die/der das gerne möchte, mitmachen und die Fragen beantworten bzw im Anschluss neue Fragen formulieren und weitergeben. Wenn ihr in einem Kommentar schreibt, wo etwas zu lesen ist, würde mich das freuen!

Meine Fragen:

Welches (kirchliche) Ereignis der letzten Jahrzehnte ist dir in guter Erinnerung und warum denkst du gerne/nicht gerne daran?

Wer waren bzw sind für dich die „glaubhaften Zeugen“ und welchen Einfluss haben / hatten sie auf den Verlauf deiner Biografie?

Welches Ritual ist dir im Laufe der Jahre lieb geworden?

Was bedeutet für dich der Umstand, dass das Internet für immer mehr Menschen zum „richtigen Leben“ dazugehört?

Und die letzte Frage übernehme ich von Andrea:
Welches ist nach deiner Meinung die größte Herausforderung für die Kirchen in den nächsten Jahren?

Familienrunde: Und bis wir uns wieder sehen…


…halte Gott dich fest in seiner Hand, heißt es in einem vertonten irischen Segenswunsch. Dieses Lied „Möge die Straße uns zusammen führen“ bildet seit Jahren den Abschluss unserer Familienrunden, die wir immer mit einer Vesper, einem kurzen Abendgebet, enden lassen. Sowohl die kleinen Gottesdienste als auch die halbjährlichen Treffen sind meiner Frau und mir zu liebgewonnenen Gewohnheiten geworden. Unsere Runde hat sich aus der gemeinsamen Ehevorbereitung heraus gebildet. Damals waren noch keine Kinder „an Board“, mittlerweile zählen wir bei einem Treffen zwischen fünf und zehn Kinder, je nachdem, wer Zeit hat, teilzunehmen.

Bild: flickr.com / cc sunchild_dd

Ein Brauch hat sich entwickelt

Der „Brauch“, der sich entwickelt hat, ist es, mit einem Impuls und einer kurzen „Arbeitsphase“ als Paar bzw. Familie zu beginnen, gemeinsam Mittag zu essen, bei Schönwetter spazieren zu gehen, sich über das Impulsthema auszutauschen und dann bei Kaffee und Kuchen noch einmal in der Gesamtgruppe auszutauschen. Zwischendurch gibt es viel Zeit und Raum, um zu „tratschen“ und mit den Kindern zu spielen.

Die Orte der Treffen waren schon sehr unterschiedlich. Von der eigenen Wohnung über eine Berghütte bis zu einem Eltern-Kind-Zentrum war schon einiges dabei. Wobei ich das letzte Treffen in einem Eltern-Kind-Zentrum am angenehmsten in Erinnerung habe, weil hier die Infrastruktur für Familien mit Kindern einfach gegeben ist und das zu einer guten Atmosphäre beiträgt.

Ungeschützter Austausch

Warum wir die Treffen immer noch machen, hat viele Gründe. Einer ist, dass es in diesem Rahmen möglich ist, sich ungeschützt über Dinge auszutauschen, die uns alle zugleich betreffen. Wir reden darüber, wie es uns in unseren Beziehungen geht, woran es uns mangelt, was wir einander Gutes tun und auch, was wir uns von unseren PartnerInnen wünschen. Wir teilen Sorgen und Freuden, die das Paarleben und das Familienleben mit sich bringen. Wir erzählen uns, wie es uns mit unseren Kindern geht, wie sich Beruf und Familie (nicht) unter einen Hut bringen lassen und wie uns manchmal die Belastungen auch zu groß sind und werden. Die inhaltlichen Impulse geben uns jedes Mal zumindest einen Ansporn, an der Beziehung zu „arbeiten“ und sie nicht dem Zufall oder den Gegebenheiten des Alltags auszuliefern.

Die Kinder geben den Takt vor

Waren die ersten Treffen ohne Kinder noch eher strukturiert durch die jeweils vorbereiteten Inhalte, so hat sich die Zeitgestaltung nach und nach den Bedürfnissen der Kinder angepasst. So wie das halt in einer Familie ist – die Kinder geben den Takt vor. Und es hat auch wirklich etwas angenehmes, dass das so ist. Die Kinder finden sich mit steigendem Alter zunehmend auch ohne Eltern ganz gut zurecht und wir Eltern brauchen nicht wie sonst so oft Rücksicht darauf nehmen, niemanden zu stören. Eine besonders schöne Erfahrung ist es für mich, dass die Kinder beim Singen und Beten am Ende ganz in dem aufgehen, was gerade passiert und sich anstecken lassen von der Atmosphäre, die die Erwachsenen erzeugen.

Und wenn dann wieder ein halbes Jahr um ist, heißt es wieder:

Möge die Straße uns zusammen führen…

Spiri-Caching


Spiri-Caching

Spiri-Caching in Micheldorf, Oberösterreich bei der Burg Altpernstein.

Ad God as friend on facebook – SpiriNight für Firmlinge



Clara Hirschmanner und ich hatten das Vergnügen, bei der diesjährigen SpiriNight 2012 einen Workshop für Firmlinge zu halten. Die SpiriNight ist eine Spirituelle Nacht für Firmlinge mit Workshopangeboten und Gottesdienstfeier im Dom.

Angestachelt und mit Unterstützung von Andrea Mayer-Edoloeyi, Social Media Managerin der Diözese Linz, begannen wir unsere Planungsarbeit. Zu Beginn legten wir so wenig als möglich fest. Nämlich den Titel und die Ausschreibung des Workshops. “Ad God as friend on facebook” wurde unser Titel, der Rest lautete: “Neue FreundInnen auf Facebook – gefällt mir. Reden über Gott und die Welt – gefällt mir. Wir basteln gemeinsam was im Internet. Bring’ unbedingt dein internetfähiges Handy oder deinen Laptop mit!”

Relativ schnell stand fest, dass es eine Facebook-Seite werden sollte, die wir gemeinsam mit den Firmlingen gestalten. Die Überlegungen von Clara waren unter anderem:
– Gott via Facebook erleben
– Gemeinschaft
– Anerkennung
– Bestätigung
– Teilen
– Fotos, Videos
– Individualität
– Anstupsen
– Leute schaffen von sich selbst ein Bild, wie sie sein möchten.
– Konkurrenz um die Likes bei neuen Pics.
– Besinnung auf meine Einzigartigkeit.
– Massenmedien führen zur internationalen Standardisierung: Bsp. Serien.
– Eigene Individualität und Kultur gefährdet.
– Spuren Gottes suchen mitten im Alltag.

Am Ende hatten wir uns entschlossen, die Seite “G*d” bzw. “godasfriend” zu nennen.
Die 15 Firmlinge, die kamen, arbeiteten in fünf Dreiergruppen zu diesen Bereichen der Seite:
Titelbild, Profilbild
Info
Albumfotos
Welche FB Seiten passen dazu (Gefällt mir-Angaben der Seite)
Chronik/Posts/Meilensteine

Wir hatten einen tollen Raum im Bischofshof zur Verfügung, ausgestattet mit WLAN, Beamer, genug Platz auf Tischen zum workshopen. Zu Beginn der Gruppenphase befreundeten wir uns mit den Firmlingen auf facebook, machten sie zu AdministratorInnen der Seite und legten dann los.
Obwohl manche von ihnen nur Handys zum Arbeiten hatten (Missverständnis in der Organisation – die Firmlinge sollten einen Laptop mithaben), entstand ein ganz guter Anfang für eine Seite von “Gott”, von denen es übrigens mehrere gibt.
Ein sehr schönes Titel- bzw. Profilbild wurde gefunden, Bilder mit Bibelversen, ein Fotoalbum “Natur” und Fotos der Firmlinge beim Workshop wurden auf der Seite gepostet. Die Info wurde knapp befüllt mit “Aufgabe: Menschen helfen. Beschreibung: Gott bewahrt uns vor so manchen Fehltritten. Produkte: Frieden.” Bei den “Gefällt mir” Angaben der Seite fanden sich am Ende “Jahwe”, “Real Madrid CF”, “Gott”, “chillen” sowie “Judentum”. In einem Post am Ende des Workshops wurde noch darüber abgestimmt, wo bei der Heimfahrt eingekehrt werden sollte.

Wir baten die Firmlinge im Alter von 13 bzw. 14 Jahren natürlich auch um ein ehrliches Feedback. Dazu wählten wir die “Daumen hoch” Methode. Wer den Workshop wieder machen würde und wem dieser gefallen hatte, der sollte den Daumen hoch zeigen, wer es nicht wusste, die Mittelposition wählen und wem es nicht gefallen hatte, der sollte den Daumen nach unten zeigen. Wir fragten, wie es gewesen wäre, hätten alle einen Laptop zum Arbeiten gehabt (denn das war schon ein starkes Handicap). Sehr erfreulich, dass fast alle Daumen oben waren.
Die Rückmeldungen waren ungefähr “Cool, dass man sich auch auf diese Art mit Gott und dem Glauben beschäftigt”.

Der Abschluss der SpiriNight war ein Gottesdienst im Neuen Linzer Dom.

Würde ich den Workshop wieder machen? Auf jeden Fall. Nur die Organisation bzw. die Zusammenarbeit mit der Pfarre müsste besser klappen.

Jetzt bleibt die Frage: Wo ist diese Facebook-Seite zu sehen?
Ein Firmling (Seiten-Admin) hat die Veröffentlichung der Seite zurückgezogen. Das nehmen wir natürlich ernst. Da wir vergessen hatten, sie zu fragen, wie es mit der Seite weitergehen soll, halten wir uns nun an diesen Schritt des Jugendlichen. Aber es wäre durchaus denkbar, die Seite weiterzubetreiben, sie ein wenig umzugestalten und ihr noch mehr Leben einzuhauchen. Denn bestimmt würde es dem oder der einen oder anderen gefallen, mit Gott auch auf facebook befreundet zu sein. Oder?

Social Media sind für die Kirchen gemacht


Ich habe kurz den Artikel “Social Media are made for Church” (englischer Artikel) ins Deutsche übersetzt, weil ich denke, dass er etwas Wichtiges betont: Social Media bringen das, was Glaubensgemeinschaften schon immer gemacht haben, voran.

Bild: Gerd Altmann/Shapes:AllSilhouettes.com / pixelio.de


Hier meine (verkürzte) Übersetzung:

1. Technologie beschleunigt. Es gibt kaum Technologien in der Menschheitsgeschichte, die verlangsamt hätten.
2. Social Media sind besser geeignet, Gemeinschaft auszudrücken (express) als zu kreieren (create).
Sie bringen unsere Fähigkeit voran, uns mit bestehenden Communities zu verbinden, diese zu kommunizieren und (mit-)zu teilen.

Social Media bieten für Kirchen und religiöse Gemeinschaften viele Werkzeuge, um die Gemeinschaften, die in Orden, Pfarren Synagogen oder Moscheen bereits gepflegt werden, zu kommunizieren (express) und zu teilen (share). Menschen in Glaubensgemeinschaften machen auf einer normalen Basis all das schon, was soziale Netzwerke beschleunigen und verbreiten:
Menschen verbinden, sich kennen- und verstehen lernen, miteinander intergaieren und am eigenen Leben teilhaben lassen.

Manche denken vielleicht: Warum öffentlich? Ist Glaube nicht Privatsache? Ja und nein.
Im Unterschied zu manchem, das man wirklich nur mit wenigen Menschen teilt, gibt es auch Dinge, die sollte eine Kirchengemeinschaft mit so viel als möglich anderen Menschen teilen wollen, weil sie zur Teilnahme an dem einladen, was gut ist.

Social Media Werkzeuge und Netzwerke bieten Glaubensgemeinschaften die Möglichkeit, Einblicke in das engagierte Gemeinschaftsleben zu geben. Um andere einzuladen werden auch ohne Social Media Zeit und Ressourcen eingesetzt.

Können Social Media den natürlichen Prozess der Gemeinschaftspflege voranbringen?

Soziale Netzwerke und Real-Life


Irgendwo habe ich einmal “aufgeschnappt”, dass ein durchschnittliches Blog (Weblog) ca. 10.000 mal angeschaut wird pro Jahr. Dass ich dieses Faktum ohne Quelle angebe, ist schon ein Hinweis auf eine (Netz)Realität. Mit (geistigem) immateriellem Eigentum wird anders umgegangen. Denn durch das teils 1000-fache “Sharen” – Teilen – von Inhalten verändert sich Kommunikation, sowohl wegen der Fülle an Informationen als auch wegen der deswegen notwendigen und unausweichlichen Filterung, die gleichzeitig eine Veränderung bedeutet. 10.000 Blog-Aufrufe im Jahr, davon bin ich ein Stückchen entfernt, weil ich schon seit April 2009 blogge, aber die Klickraten haben sich vermehrt.

Vernetzte Welt

Bild: Gerd Altmann/moshxl.de / pixelio.de


Die Möglichkeit, frei im Internet zu publizieren und zu erfahren, dass sich andere Menschen, auch aus anderen Ländern, für die eigenen Inhalte interessieren oder vielleicht sogar davon profitieren, finde ich gut. Aber nicht nur der “Mehrwert” für andere steht bei einem Auftritt im Internet im Vordergrund. Mich selbst darzustellen, meine Präsenz im Internet selbst in die Hand zu nehmen und nicht anderen zu überlassen, gehört für mich als nicht nur real-personal vernetzter Mensch dazu. Meine Profile auf Facebook, Twitter, Google+ und anderen Diensten geben mir Möglichkeiten in die Hand, die ich gerne nutze.

Seit Beginn meiner intensiven Internet-Nutzung habe ich manches dazugelernt.

Beim Einstieg in die sozialen Netzwerke wie StudiVZ, Facebook und Twitter war ich einerseits restriktiver, was Privatsphäre(einstellungen) angeht, andererseits haben private Inhalte dominiert. Dieses Verhältnis hat sich, durch eine (versuchte) professionellere Handhabung dieser Dienste, verändert. Inzwischen filtere ich gezielter, wähle sorgfältiger aus und beobachte genauer, wie andere auf mein Verhalten und das Verhalten anderer reagieren. Nachrichten aus dem “sehr persönlichen” Bereich habe ich reduziert.
Für mich geht die große Faszination sozialer Netzwerke davon aus, dass sie sich wechselseitig beeinflussende Kommunikation auf vermischter digital-realer Ebene mit gegenseitiger Restriktion und Filterung der Inhalte darstellen. Das hab ich nun etwas protzig wissenschaftlich formuliert, aber es fasst gut zusammen, was ich mag. Der besseren Übersichtlichkeit halber hier meine Beobachtungen in Listenform:

Kommunikation (auch) in sozialen Netzwerken heißt:

1. Vermischung der digitalen und (ebenso gefilterten) realen Ebene menschlicher Kommunikation (es ist meiner Meinung nach ein Irrtum, zu glauben, dass real-menschliche Kommunikation ungefiltert passiere. Außerdem ist auch Firmen- bzw. Marken-Kommunikation immer noch menschliche Kommunikation).
2. Vermischung der digitalen und realen Interaktion (etwa durch Informationen über Veranstaltungen, die ich entweder ohne reale oder ohne digitale Beziehungen nicht wahrgenommen und eventuell besucht hätte).
3. Die wechselseitige Beeinflussung des digitalen und realen Verhaltens durch das jeweils andere (beispielsweise ein Blogbericht über meinen ernst gemeinten Vorsatz, das Rauchen aufzugeben als sich digitales Rückversichern, Bestätigen und Verfestigen des realen Vorhabens).
4. Die Einflussnahme von persönlichen (digialen oder realen) Erfahrungen auf das digitale oder reale Verhalten (so wie beispielsweise die Wahrnehmung und Einflussnahme von Zustimmung – “Likes” bzw. “Lob” – auf zukünftiges Verhalten).
5. Und es gibt noch viele weitere Elemente des Zusammenwirkens und Sich-Gegenseitig-Beeinflussens von realen und digitalen sozialen Netzwerken.

Was heißt das ganz konkret?

1. Durch meine (Inter-)Aktionen in sozialen Netzwerken habe ich meine realen Netzwerke vergrößert und umgekehrt.
2. Zuerst Privates (Facebook-Nutzung) spielte plötzlich auch beruflich eine Rolle (Betreuung eines Facebook-Accounts).
3. Es gibt mir ein gutes Gefühl, öffentlich zu meinen Überzeugungen zu stehen (Meinungen in Blog-Einträgen, Foren, Profilen) und diese auch verändern zu dürfen/können.
4. Ich mag es, mir ein (gefiltertes, aber neutraleres und mehrdimensionaleres) Bild von Organisationen und Personen machen zu können.

Fazit:

Ich halte es für sinnvoll und für manche Bereiche der Berufswelt notwendig, sich sozial-medial zu beteiligen, und sei es nicht aktiv, dann zumindest als Konsument. Denn die klassischen Medien (Radio, Fernsehen, Zeitung, Bühne) halten nicht mehr genug Informationen bereit, um sich ausreichend zu “bilden” (ich verwende dieses Wort hier absichtlich anstatt “informieren”).

Unbeschadet all dessen bin ich fest überzeugt, dass die wichtigsten Informationen nur von Herz zu Herz ausgetauscht werden können – denn die Sensorik des Herzens und des Gewissens sind größtenteils untrügerisch.

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