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Warum gibts du Gott die schäbigsten Minuten des Tages?


Die letzten beiden Teile des vierteiligen Linzer Bibelkurses in der Pfarre Waizenkirchen bestritt/bestreitet der Neumarkter Theologe („Lester Hof“) und Israel-Reiseführer Mag. Martin Zellinger. Das Thema des letzten Abends war das Buch der Psalmen. Es war ein spiritueller Abend, wo Herr Zellinger auch über das Beten an sich sprach. Unter anderem brachte er die Frage zur Sprache, warum wir unser Beten oft auf die Zeit vor dem Einschlafen beschränkten. Es wären die schäbigsten (armseligsten, ärmlichsten) Minuten des Tages.

Ich war direkt erleichtert, als eine Kursteilnehmerin Widerspruch einlegte: „Das sind nicht die schäbigsten Minuten des Tages. Das ist eine sehr schöne Zeit, es überkommt mich Dankbarkeit und ich schaue in dieser Haltung auf den Tag zurück.“

Auch ich empfinde die Gebetsminuten vor dem Einschlafen nicht als schäbig. Meistens denke ich darüber nach, wofür ich an diesem Tag dankbar sein kann und ich bitte um Kraft für Dinge, die mir nicht so leicht von der Hand gehen.

Trotzdem habe ich in den letzten Wochen zwei Mal eine andere Erfahrung machen dürfen.

Am 25. Februar wurde unsere Tochter Miriam geboren. Sie kam kurz vor Mitternacht zur Welt. Bis alles „friedlich“ war und ich dann zu Hause ankam, war es drei Uhr früh. Mich schlafen zu legen fiel mir nicht ein. Ich war hellwach und innerlich erfüllt von Glücksgefühlen. Es war ein Beten ohne viele Worte, so intensiv, wie ich es sonst kaum erlebe.

Die zweite ähnliche Erfahrung machte ich heute, Freitag. Weil der Pfarrer krankheitshalber die Frühmesse nicht feiern konnte, hielt ich um sieben Uhr einen Wortgottesdienst. Um fünf Uhr war ich bereits wach, weil unsere ältere Tochter unruhig geschlafen hatte. Um sechs Uhr fuhr ich dann los Richtung Waizenkirchen. Die Zeit vom Aufwachen bis nach dem Gottesdienst habe ich als großes Geschenk erlebt.

Normalerweise werde ich erst irgendwann am Vormittag „richtig“ wach. Aber diese beiden Gebetserfahrungen am frühen Morgen haben mir gezeigt, was Martin Zellinger gemeint hat: „Warum schenken wir Gott nicht die früheste, frischeste Zeit des Tages?“

Familienrunde: Und bis wir uns wieder sehen…


…halte Gott dich fest in seiner Hand, heißt es in einem vertonten irischen Segenswunsch. Dieses Lied „Möge die Straße uns zusammen führen“ bildet seit Jahren den Abschluss unserer Familienrunden, die wir immer mit einer Vesper, einem kurzen Abendgebet, enden lassen. Sowohl die kleinen Gottesdienste als auch die halbjährlichen Treffen sind meiner Frau und mir zu liebgewonnenen Gewohnheiten geworden. Unsere Runde hat sich aus der gemeinsamen Ehevorbereitung heraus gebildet. Damals waren noch keine Kinder „an Board“, mittlerweile zählen wir bei einem Treffen zwischen fünf und zehn Kinder, je nachdem, wer Zeit hat, teilzunehmen.

Bild: flickr.com / cc sunchild_dd

Ein Brauch hat sich entwickelt

Der „Brauch“, der sich entwickelt hat, ist es, mit einem Impuls und einer kurzen „Arbeitsphase“ als Paar bzw. Familie zu beginnen, gemeinsam Mittag zu essen, bei Schönwetter spazieren zu gehen, sich über das Impulsthema auszutauschen und dann bei Kaffee und Kuchen noch einmal in der Gesamtgruppe auszutauschen. Zwischendurch gibt es viel Zeit und Raum, um zu „tratschen“ und mit den Kindern zu spielen.

Die Orte der Treffen waren schon sehr unterschiedlich. Von der eigenen Wohnung über eine Berghütte bis zu einem Eltern-Kind-Zentrum war schon einiges dabei. Wobei ich das letzte Treffen in einem Eltern-Kind-Zentrum am angenehmsten in Erinnerung habe, weil hier die Infrastruktur für Familien mit Kindern einfach gegeben ist und das zu einer guten Atmosphäre beiträgt.

Ungeschützter Austausch

Warum wir die Treffen immer noch machen, hat viele Gründe. Einer ist, dass es in diesem Rahmen möglich ist, sich ungeschützt über Dinge auszutauschen, die uns alle zugleich betreffen. Wir reden darüber, wie es uns in unseren Beziehungen geht, woran es uns mangelt, was wir einander Gutes tun und auch, was wir uns von unseren PartnerInnen wünschen. Wir teilen Sorgen und Freuden, die das Paarleben und das Familienleben mit sich bringen. Wir erzählen uns, wie es uns mit unseren Kindern geht, wie sich Beruf und Familie (nicht) unter einen Hut bringen lassen und wie uns manchmal die Belastungen auch zu groß sind und werden. Die inhaltlichen Impulse geben uns jedes Mal zumindest einen Ansporn, an der Beziehung zu „arbeiten“ und sie nicht dem Zufall oder den Gegebenheiten des Alltags auszuliefern.

Die Kinder geben den Takt vor

Waren die ersten Treffen ohne Kinder noch eher strukturiert durch die jeweils vorbereiteten Inhalte, so hat sich die Zeitgestaltung nach und nach den Bedürfnissen der Kinder angepasst. So wie das halt in einer Familie ist – die Kinder geben den Takt vor. Und es hat auch wirklich etwas angenehmes, dass das so ist. Die Kinder finden sich mit steigendem Alter zunehmend auch ohne Eltern ganz gut zurecht und wir Eltern brauchen nicht wie sonst so oft Rücksicht darauf nehmen, niemanden zu stören. Eine besonders schöne Erfahrung ist es für mich, dass die Kinder beim Singen und Beten am Ende ganz in dem aufgehen, was gerade passiert und sich anstecken lassen von der Atmosphäre, die die Erwachsenen erzeugen.

Und wenn dann wieder ein halbes Jahr um ist, heißt es wieder:

Möge die Straße uns zusammen führen…

Spiri-Caching


Spiri-Caching

Spiri-Caching in Micheldorf, Oberösterreich bei der Burg Altpernstein.

Gebete


Gebete ändern nicht die Welt. Aber Gebete verändern Menschen, und Menschen verändern die Welt.

Albert Schweitzer

Herbst-Gehen


Ein Spaziergang mit Kinderwagen. Kinder helfen, wesentlich zu werden und den Blick für das Schöne zu weiten.



Israel-Nachlese


cc andreas fürlinger

In den Semsterferien im Februar waren wir mit einer Pilgergruppe in Israel. Gestern Abend gab es im Pfarrheim ein gemütliches Nachtreffen, um noch einmal im Schauen von Bildern und im Sich-Gemeinsam-Erinnern die Erlebnisse Revue passieren zu lassen. Jede Reise braucht einen gewissen zeitlichen Abstand, um so “richtig” zu wirken. Für meine Frau und mich waren deshalb die an die Leinwand geworfenen Bilder und die Kommentare der Gruppe eine gute Gelegenheit, noch einmal einzutauchen in einzelne Situationen, in die Atmosphäre im Land, in Gespräche und in das gute Essen, das macht auch etwas aus.
Wir waren uns am Tisch einig, dass wir einen guten Zeitpunkt erwischt hatten im Feburar, weil die Situation nachher angespannter wurde, es an der Grenze zu Ägypten zu Zwischenfällen gekommen war und am Sinai Entführungen bekannt wurden. Besonders amüsant war auch nach einem halben Jahr noch das Foto vom “brennenden Dornbusch”, unter dem der Feuerlöscher stand:

Die Stelle des “brennenden Dornbusches” mit Feuerlöscher _ Bild cc andreas fürlinger

Wohl ein Sinnbild für unsere Welt: Gott ist da (Dornbusch), aber so ganz traut man ihm nicht (Feuerlöscher, das Feuer soll jederzeit gelöscht werden können).

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
  
 
 

Moseberg (Sinai) _ Bild cc andreas fürlinger


Am Moseberg (Sinai) war es im Februar eiskalt.
Aber der Aufstieg war lohnend. Die Geschichte des Volkes Israel vorbeiziehen lassen in Gedanken, daran denken, was die jüdischen Brüder und Schwestern mit uns ChristInnen verbindet. Die Kargheit der Landschaft “einziehen” lassen und den Beduinen vergönnt sein, dass der geführte Aufstieg länger als nötig dauert, weil die Lokale am Weg ihren Lebensunterhalt sichern.

Und schließlich wegen der neu aufgebauten Trennmauern den Psalm 18 memorieren, den Sieger Köder so schön ins Bild gebracht hat: “…mit meinem Gott überspringe ich Mauern.” Für viele in Israel leider keine Realität. Aber man darf der Versöhnung der Religionen genau so viel zutrauen wie der Kirche im Kleinen: Es beginnt immer mit zwei oder drei Menschen – so wird alles möglich.

Guter Start


6. Oktober – und die Sonne hat noch volle Energie
(Elefantengras-Blüten in unserem Garten)

Gut ein Monat ist der Start in Waizenkirchen her. Beruflich bin ich sehr glücklich, privat auch. Es war ein guter Start, übersät mit vielen Eindrücken und Ereignissen. Die ersten Gottesdienste in der Pfarrkirche, die ersten Schulstunden in der Hauptschule, Eine Nummer des Pfarrblattes, Starttreffen und -veranstaltungen der verschiedenen pfarrlichen Gruppen. Kennenlernen der anderen JugendleiterInnen in der Region. Kennelernen von vielen Menschen, von vielen Zusammenhängen. Eintauchen in ein Stück Geschichte einer gewachsenen Pfarre und nach vorne blicken in ein Stück Zukunft dieser Gemeinde.
Beim Jungscharstart gestern in Kopfing am Baumkronenweg ist mir die Puste ausgegangen. “Räuber und Gendarm” spielen im Wald, da lassen mich meine paar überflüssigen Kilos gleich ins Schwitzen kommen. Super ist das, weil meine anderen sportlichen Aktivitäten eher so hinken. Und bei so einem Traumtagerl draußen sein – was gibt’s schöneres?

Alkoholfreie Cocktails und Musik – Startevent der KJ – Foto cc janhamlet/flickr

Eine erste Jugend-veranstaltung ist auch schon geplant – mein Büro und offenes JugendBüro im Pfarrhof möchte ich den Jugendlichen, die kommen, zeigen und die Katholische Jugend kurz vorstellen. Das ganze im Rahmen eines Cocktailabends. Nach dem Vorbild der “Barfuss-Bar” (alkoholfreie Cocktails und Musik) freuen wir uns im Jugend-Team auf einen guten Auftakt für ein Jahr der KJ in Waizenkirchen.

Der Zauber des Anfangs weicht langsam der Arbeit des Anfangs… und das fühlt sich richtig gut an!

Update: Durchatmen!

Status: wird installiert…


Ferien vorbei



Beim Öffnen des ersten Dokumentes, das ich über meine dienstliche E-Mail Adresse erhielt, gab’s gleich eine Computer-Zickerei. Tsts…

Allem Anfang…


…wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt und hilft zu leben, heißt es in Hermann Hesses Gedicht “Stufen”.

STUFEN (Hermann Hesse)

Wie jede Blüte welkt
und jede Jugend dem Alter weicht,
blüht jede Lebensstufe,
blüht jede Weisheit auch und jede Tugend
zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.
Es muss das Herz bei jedem Lebensrufe
bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
in and’re, neue Bindungen zu geben.
Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
der uns beschützt und der uns hilft zu leben.
Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,
an keinem wie an einer Heimat hängen,
der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,
er will uns Stuf’ um Stufe heben, weiten!
Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise
und traulich eingewohnt,
so droht Erschlaffen!
Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,
mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.
Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde
uns neuen Räumen jung entgegen senden:
des Lebens Ruf an uns wird niemals enden.
Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!

Genau eine Woche vor Dienstbeginn als Pastoralassistent in Waizenkirchen erinnere ich mich an den Beginn des letzten Arbeitsjahres. An eine Tafel hatte ich auch dieses berühmte Zitat von Hermann Hesse geschrieben. Nun erinnere ich mich wieder daran. Ein Zauber. Er hilft und beschützt uns. Mich, und auch die Menschen in der Gemeinde, in der Pfarre. Ich mag es nicht gerne, hier zu trennen. Ein Ort ist keine Pfarre und eine Pfarre kein Ort. Wir globalisieren uns im Internet und im analogen Leben und deshalb gibt es für mich hier keine klaren Grenzen. Überhaupt gehören viele Grenzziehungen überdacht. Inklusion und Exklusion sind heute wirksame Mechanismen. Die Digitalisierung unserer Welt hat viele dieser Grenzen überwunden, andererseits aber auch viele neue entstehen lassen.

Es muss das Herz bei jedem Lebensrufe
bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
in and’re, neue Bindungen zu geben.

Ende und Neubeginn

Ein Ende. Es ist ein Ende. Nicht mehr die zermürbenden täglichen 160 km täglich nach Ried. Und eben Neubeginn, ein Lebensruf. Dieser Anfang bedeutet mir viel. Nach dem turbulenten Herbst und dem bewerbungsbedingt turbulenten Frühjahr stelle ich mich ein auf andere, neue Bindungen. Ich werde in die Lebensgeschichten vieler Menschen eintreten, teilhaben. Und viele Menschen werden mich teilhaben lassen an den eigenen Biografien, vielleicht nur an manchen Details oder Äußerlichkeiten, vielleicht aber auch an mehr. Wer weiß? Ich bin bereit, viel zu geben.

Vertrauen

Ein bisschen Mut und Tapferkeit gehört schon zu jedem Neubeginn. Natürlich, ein Jahr lang konnte ich bereits Erfahrungen in hauptamtlicher pastoraler Tätigkeit sammeln. Aber nun beginnt ein unbefristetes Dienstverhältnis. Das bedeutet auch ein gewisses Vertrauen. Das Vertrauen der diözesanen Verantwortlichen, die mich “ins Rennen” schicken. Das Vertrauen eines Freundes, des Pfarradministrators. Das Vertrauen des Pfarrgemeinderates, den ich bereits kennenlernen durfte. Schließlich auch mein eigenes Vertrauen in die neue (Lebens-)Aufgabe. Ich blicke sehr gelassen in diese doch auch ungewisse Zukunft. Sicherheit gibt mir das Vorschussvertrauen des Pfarrgemeinderates und des Pfarradministrators, vor allem aber geben mir meine sehr stabilen Beziehungen tiefen und festen Halt. Meine Frau, meine Familien, meine Freunde. Und die Beziehung zu dem, der in mir wohnt und durch den ich lebe.

“Es ist alles fromm, was dem Leben dient.”

Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,
an keinem wie an einer Heimat hängen,
der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,
er will uns Stuf’ um Stufe heben, weiten!

Gerade erinnere ich mich an ein Gespräch. “Das ist aber nicht sehr fromm”, habe ich aufgenommen. Meine Antwort war: “Es ist alles fromm, was dem Leben dient.” Diese Ansicht ist vielleicht etwas weit zum Fenster hinausgelehnt, aber dazu stehe ich. Schließlich und endlich geht’s darum, was dem Leben dient, was in die Weite führt. Die (gedankliche) Enge macht nervös, ängstlich, unfrei. Deshlab freue ich mich auch auf die Hauptaufgabe in Waizenkirchen: Die Arbeit mit den / für die Jugendlichen. Es ist ein Unterschied zwischen fromm und fromm. Was die einen für besonders fromm halten, ist für andere lächerlich und umgekehrt. Aber das soll nicht im Mitttelpunkt stehen. Was dem Leben dient, ist fromm. Auch wenn nicht das Schild “kirchlich genehmigt” dranhängt.

Spielend leicht

Eines der Dinge, die ich mit Leidenschaft und großer Hingabe mache, ist Spielen. Es ist das Abtauchen in eine andere Welt, das so faszinierend ist. Jemand anderer sein dürfen, wie im Fasching. Etwas ausprobieren, wie ein Kind. Sich ausklinken, wie ein Urlauber. Sich reinsteigern, wie ein Besessener. Das Verlieren lernen, wie ein Mensch. Siegen, wie ein König. Und das alles in vielleicht einer halben Stunde. Unfassbar, wie verdichtet sich das Leben im Spiel abspielt. Der spielende Mensch, der “homo ludens” ist für mich der Inbegriff des gelungenen Lebens. Wer verlernt hat, spielerisch mit der Welt, den Mitmenschen, sich selbst umzugehen, dem fehlt etwas. Ein wenig Beweglichkeit, vielleicht Humor, vielleicht auch Tiefe.

Spiel und das spielerische Umgehen bringt Leichtigkeit, weitet Herz und Gedanken. Vielleicht kann und darf ich auch davon etwas einbringen in mein neues berufliches und menschliches Umfeld.

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