Der Fall Kampusch, das Inzestdrama von Amstetten, der zu Tode missbrauchte Luca und jetzt der Fall Cain. Der Lebensgefährte der Mutter soll den 3jährige zu Tode geprügelt. Und wieder einmal – so wie bei den anderen Verbrechen – haben die Behörden scheinbar versagt. Wer ist Schuld am Tod von Cain – und wer schützt unsere Kinder?
so lese ich am 26.1.2010 auf der Blog-Seite des TV-Senders ATV. Einmal abgesehen von den grammatikalischen Fehlern dieser Einleitung, die scheinbar in aller Eile hingetippselt wurde – wie überlegt ist eine doch relativ ernst gemeinte Diskussion um einen “Elternführerschein”?
Missbrauchte und getötete Kinder schreien zum Himmel. Und hier haben einzelne (Freunde, Eltern, Nachbarn) oder auch Kollektive (Behörden, Politik) scheinbar versagt. Aber worin liegt dieses Versagen?
Die scheinbar einfachste Lösung ist eine klare und eindeutige Schuldzuordnung, wie sie bekannt ist im so genannten “Sündenbock-Mechanismus”: Wir finden einen, der schuldig geworden ist, wir verurteilen ihn und dann haben wir 1. ein Problem gelöst und 2. fühlen uns selber besser, weil selber nicht schuldig.
Eine klug klingende Variante eines Lösungsversuches bei schutzlosen Kindern, die zu Schaden oder ums Leben kommen, heißt “Elternführerschein”. Um als Elternteil Kompetenz vorweisen zu können, müsste man dann die elterlichen “Fähigkeiten” bescheinigen lassen. Was wäre damit gewonnen?
Wahrscheinlich ein paar Arbeitsplätze, die so ein System verwalten und exekutieren (denn sonst ist es ohnehin sinnlos), Eltern, die sich als Menschen entmündigt oder verarscht fühlen, und nicht weniger misshandelte Kinder oder tote Kinder als bisher. Warum? Weil es nicht elterliches Fehlverhalten ist, sich gegenüber “Schwachen” falsch zu verhalten, sondern menschliches.
Was wäre daher eine sinnvolle Variante eines Lösungsversuches?
Meiner Meinung nach Menschenbildung, Stärkung von menschlichen Kompetenzen, wie das beispielsweise im schulischen konfessionellen Religionsunterricht passiert oder durch LehrerInnen, ErzieherInnen, die neben ihren fachlichen Qualifikationen auch soziale Kompetenzen weitergeben. Und, Hand aufs Herz: warum sind manche Eltern frustriert und haben für sich und ihre Kinder keine Perspektiven? Nicht weil sie schlechte Menschen sind, sondern weil das Diktat der Wirtschaft über die Politik die Rahmenbedingungen für menschenwürdiges Sozialleben zusehends verschlechtert oder in Teilbereichen auch verunmöglicht.
Elternführerschein, was käme als nächstes? Schriftliche Denkanleitungen, verwaltete Blödheit? Oder doch eine Politik, die nicht auf Meinungsumfragen beruht, sondern sich traut, über den nächsten Wahltermin hinauszudenken?
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