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Ad God as friend on facebook – SpiriNight für Firmlinge



Clara Hirschmanner und ich hatten das Vergnügen, bei der diesjährigen SpiriNight 2012 einen Workshop für Firmlinge zu halten. Die SpiriNight ist eine Spirituelle Nacht für Firmlinge mit Workshopangeboten und Gottesdienstfeier im Dom.

Angestachelt und mit Unterstützung von Andrea Mayer-Edoloeyi, Social Media Managerin der Diözese Linz, begannen wir unsere Planungsarbeit. Zu Beginn legten wir so wenig als möglich fest. Nämlich den Titel und die Ausschreibung des Workshops. “Ad God as friend on facebook” wurde unser Titel, der Rest lautete: “Neue FreundInnen auf Facebook – gefällt mir. Reden über Gott und die Welt – gefällt mir. Wir basteln gemeinsam was im Internet. Bring’ unbedingt dein internetfähiges Handy oder deinen Laptop mit!”

Relativ schnell stand fest, dass es eine Facebook-Seite werden sollte, die wir gemeinsam mit den Firmlingen gestalten. Die Überlegungen von Clara waren unter anderem:
- Gott via Facebook erleben
- Gemeinschaft
- Anerkennung
- Bestätigung
- Teilen
- Fotos, Videos
- Individualität
- Anstupsen
- Leute schaffen von sich selbst ein Bild, wie sie sein möchten.
- Konkurrenz um die Likes bei neuen Pics.
- Besinnung auf meine Einzigartigkeit.
- Massenmedien führen zur internationalen Standardisierung: Bsp. Serien.
- Eigene Individualität und Kultur gefährdet.
- Spuren Gottes suchen mitten im Alltag.

Am Ende hatten wir uns entschlossen, die Seite “G*d” bzw. “godasfriend” zu nennen.
Die 15 Firmlinge, die kamen, arbeiteten in fünf Dreiergruppen zu diesen Bereichen der Seite:
Titelbild, Profilbild
Info
Albumfotos
Welche FB Seiten passen dazu (Gefällt mir-Angaben der Seite)
Chronik/Posts/Meilensteine

Wir hatten einen tollen Raum im Bischofshof zur Verfügung, ausgestattet mit WLAN, Beamer, genug Platz auf Tischen zum workshopen. Zu Beginn der Gruppenphase befreundeten wir uns mit den Firmlingen auf facebook, machten sie zu AdministratorInnen der Seite und legten dann los.
Obwohl manche von ihnen nur Handys zum Arbeiten hatten (Missverständnis in der Organisation – die Firmlinge sollten einen Laptop mithaben), entstand ein ganz guter Anfang für eine Seite von “Gott”, von denen es übrigens mehrere gibt.
Ein sehr schönes Titel- bzw. Profilbild wurde gefunden, Bilder mit Bibelversen, ein Fotoalbum “Natur” und Fotos der Firmlinge beim Workshop wurden auf der Seite gepostet. Die Info wurde knapp befüllt mit “Aufgabe: Menschen helfen. Beschreibung: Gott bewahrt uns vor so manchen Fehltritten. Produkte: Frieden.” Bei den “Gefällt mir” Angaben der Seite fanden sich am Ende “Jahwe”, “Real Madrid CF”, “Gott”, “chillen” sowie “Judentum”. In einem Post am Ende des Workshops wurde noch darüber abgestimmt, wo bei der Heimfahrt eingekehrt werden sollte.

Wir baten die Firmlinge im Alter von 13 bzw. 14 Jahren natürlich auch um ein ehrliches Feedback. Dazu wählten wir die “Daumen hoch” Methode. Wer den Workshop wieder machen würde und wem dieser gefallen hatte, der sollte den Daumen hoch zeigen, wer es nicht wusste, die Mittelposition wählen und wem es nicht gefallen hatte, der sollte den Daumen nach unten zeigen. Wir fragten, wie es gewesen wäre, hätten alle einen Laptop zum Arbeiten gehabt (denn das war schon ein starkes Handicap). Sehr erfreulich, dass fast alle Daumen oben waren.
Die Rückmeldungen waren ungefähr “Cool, dass man sich auch auf diese Art mit Gott und dem Glauben beschäftigt”.

Der Abschluss der SpiriNight war ein Gottesdienst im Neuen Linzer Dom.

Würde ich den Workshop wieder machen? Auf jeden Fall. Nur die Organisation bzw. die Zusammenarbeit mit der Pfarre müsste besser klappen.

Jetzt bleibt die Frage: Wo ist diese Facebook-Seite zu sehen?
Ein Firmling (Seiten-Admin) hat die Veröffentlichung der Seite zurückgezogen. Das nehmen wir natürlich ernst. Da wir vergessen hatten, sie zu fragen, wie es mit der Seite weitergehen soll, halten wir uns nun an diesen Schritt des Jugendlichen. Aber es wäre durchaus denkbar, die Seite weiterzubetreiben, sie ein wenig umzugestalten und ihr noch mehr Leben einzuhauchen. Denn bestimmt würde es dem oder der einen oder anderen gefallen, mit Gott auch auf facebook befreundet zu sein. Oder?

Herr Kleux und die Weihnachtsaktion


Herr Kleux ist ein guter Mensch. Er wohnt in der Tannengasse 13a im zweiten Stock in der Wohnung 7. Schon seit 14 Jahren mittlerweile. Er ist Junggeselle aus Überzeugung und investiert deshalb ziemlich viel Zeit in seinen Beruf als Redakteur bei der Regionalzeitung, dem „Stadtkurier“. Leitender Redakteur ist er mittlerweile. Vor zwei Jahren hat er seinen Vorgänger, der zur Konkurrenz gegangen ist, abgelöst.

Zu Beginn der Weihnachtszeit hat sich Herr Kleux dieses Jahr etwas Besonderes einfallen lassen. Er will Herrn Rogel seinen sehnlichsten Wunsch erfüllen: Ein Auftritt des stadtbekannten Schulchores in seiner Wohnung.
Schon seit eineinhalb Jahren ist Herr Kleux auf Twitter mit Herrn Rogel befreundet, der in derselben Stadt lebt. Über dieses soziale Nachrichten-Medium organisiert sich Herr Rogel sein Leben. Da er ein Pflegefall ist, kommt er selten aus seiner Wohnung raus. Frau B. erledigt die Einkäufe für ihn, Herr S. kümmert sich um die Post, Frau M. schupft den Haushalt. Und noch einige andere helfen Herrn Rogel, sein Leben zu meistern. Denn Familie hat er keine mehr.

Herr Kleux will dieses soziale Projekt zur diesjährigen Weihnachtsaktion der Regionalzeitung machen. In den Redaktionssitzungen Anfang Dezember stellt er seine Idee vor und bittet einen Mitarbeiter, persönlichen Kontakt mit Herrn Rogel aufzunehmen und ein erstes Interview mit ihm zu machen. Mitte Dezember ist Herr Rogel auf der Titelseite des Stadtkuriers zu sehen. Daneben ein Bild des Schulchores, den er bei jedem Auftritt im Radio gehört hat. Sein Wunsch soll also wirklich in Erfüllung gehen. Am 24. Dezember wird „sein“ Chor bei ihm in der Wohnung singen. Herr Kleux ist glücklich, dass er etwas Gutes in die Wege geleitet hat. Und für die Zeitung ist es auch gut. Neben Sex, Kriminalität und Haustieren steigern auch soziale Aktionen die Leserzahlen.

Es ist der 22. Dezember und Herr Kleux ist mehr als gestresst. Werbekunden, die lästig sind, die Zustellung der Zeitung hinkt, weil viel Schnee gefallen ist die letzten Tage. Verärgerte Kunden am Telefon, der Posteingang seiner Emails quillt über. Herr Kleux ist eine ruhige Person, aber mittlerweile freut er sich auf den 24. Dezember, denn um 18 Uhr wird er die Redaktion verlassen und nichts mehr von der Zeitung wissen wollen. Da wird er dann auf Facebook und Twitter allen Freunden noch frohe Weihnachten wünschen. Bei Herrn Rogel will er sich dann am 25. Dezember via Twitter erkundigen, wie er den Besuch des Schulchores erlebt hat. Denn um 19 Uhr will er am Heiligen Abend nicht mehr im Dienst sein.

Nun ist er also da, der Heilige Abend. Alles ist sich für Herrn Kleux ausgegangen. Werbekunden sind zufrieden, die Leser auch, die Mitarbeiter durften um 16 Uhr nach Hause. Um 18 Uhr geht auch er als letzter aus der Redaktion. Es ist schon ziemlich ruhig in den Straßen der Stadt. Dunkelheit, Weihnachtsbeleuchtung und Christbäume zieren die Plätze und Häuser. Als Junggeselle will er diesen Heiligen Abend Essen gehen. Noch kurz in die Wohnung, um zu duschen und in einen feinen Anzug zu schlüpfen. Eile hat Herr Kleux heute nicht. Er schlendert den Weg von der Redaktion zur Tannengasse nach Hause. Heute geht er zu Fuß. Kurz vor 19 Uhr öffnet er den Hauseingang, geht die Treppe hoch in den zweiten Stock und schließt seine Wohnungstür auf und hinter sich zu. In der Nebenwohnung dürfte sich die Großfamilie angesagt haben, denn es ist ziemlich laut, es wird gelacht und geredet. Was genau, hört Herr Kleux nicht, obwohl die Wände dünn sind.

Plötzlich ist es vollkommen still in der Nachbarwohnung. Weihnachtliche Lieder erklingen, Herr Kleux versucht sich zu erinnern, weshalb ihm die Musik so vertraut ist. Ja, das hat er im Advent mehrmals im Radio gehört. Das ist… Das ist doch der bekannte Schulchor aus der Stadt. Jetzt wird Herrn Kleux etwas flau im Magen. Sein Nachbar? Herr Rogel wird doch nicht…

Herr Kleux schaltet den Computer ein, steigt ins Internet ein. Twitter, Herr Rogel. Tannengasse 13a/8 hat dieser als Adresse öffentlich angegeben. Das hat Herr Kleux bisher überlesen in den eifrigen Konversationen im Netz. Er wartet unentspannt auf das letzte Lied des Chores, hört wie wieder geredet wird. Im Treppenhaus vor seiner Tür wird es etwas lauter, die Schülerinnen und Schüler gehen die Stiegen runter. Es wird leiser, der letzte Schüler lässt die Haustür ins Schloss fallen. Nun traut sich auch Herr Kleux auf den Gang. Er geht zu seinem Wohnungsnachbarn und läutet. Es surrt. Die Tür geht auf und Herr Kleux tritt in die Wohnung, in der er noch nie gewesen ist. Alte Möbel, aber alles stilvoll. „Kommen sie näher“, sagt der Mann im Bett zum Chef der Stadtzeitung. „Wollen wir uns eine Pizza bestellen und zusammen essen? Ich war gespannt, ob sie’s rauskriegen, dass ich ihr Nachbar bin.“ Er lächelt. Da laufen dem Herrn Kleux die Tränen über die Wangen. „Es ist mir so peinlich, Herr Rogel. Bitte entschuldigen sie, Herr Rogel. Wie kann man nur so blind sein? Ich bin seit 14 Jahren ihr Nachbar und noch nie habe ich angeklopft. Es ist mir so peinlich.“
„Bestellen sie uns eine Pizza? Und vielleicht ein Fläschchen Rotwein?“
„Das machen wir“, lächelt nun auch Herr Kleux.
Es ist Heiliger Abend. Es ist Weihnachten.

Eine Weihnachtsgeschichte von Andreas Fürlinger

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