Soziale Netzwerke und Real-Life

Irgendwo habe ich einmal „aufgeschnappt“, dass ein durchschnittliches Blog (Weblog) ca. 10.000 mal angeschaut wird pro Jahr. Dass ich dieses Faktum ohne Quelle angebe, ist schon ein Hinweis auf eine (Netz)Realität. Mit (geistigem) immateriellem Eigentum wird anders umgegangen. Denn durch das teils 1000-fache „Sharen“ – Teilen – von Inhalten verändert sich Kommunikation, sowohl wegen der Fülle an Informationen als auch wegen der deswegen notwendigen und unausweichlichen Filterung, die gleichzeitig eine Veränderung bedeutet. 10.000 Blog-Aufrufe im Jahr, davon bin ich ein Stückchen entfernt, weil ich schon seit April 2009 blogge, aber die Klickraten haben sich vermehrt.

Vernetzte Welt

Bild: Gerd Altmann/moshxl.de / pixelio.de


Die Möglichkeit, frei im Internet zu publizieren und zu erfahren, dass sich andere Menschen, auch aus anderen Ländern, für die eigenen Inhalte interessieren oder vielleicht sogar davon profitieren, finde ich gut. Aber nicht nur der „Mehrwert“ für andere steht bei einem Auftritt im Internet im Vordergrund. Mich selbst darzustellen, meine Präsenz im Internet selbst in die Hand zu nehmen und nicht anderen zu überlassen, gehört für mich als nicht nur real-personal vernetzter Mensch dazu. Meine Profile auf Facebook, Twitter, Google+ und anderen Diensten geben mir Möglichkeiten in die Hand, die ich gerne nutze.

Seit Beginn meiner intensiven Internet-Nutzung habe ich manches dazugelernt.

Beim Einstieg in die sozialen Netzwerke wie StudiVZ, Facebook und Twitter war ich einerseits restriktiver, was Privatsphäre(einstellungen) angeht, andererseits haben private Inhalte dominiert. Dieses Verhältnis hat sich, durch eine (versuchte) professionellere Handhabung dieser Dienste, verändert. Inzwischen filtere ich gezielter, wähle sorgfältiger aus und beobachte genauer, wie andere auf mein Verhalten und das Verhalten anderer reagieren. Nachrichten aus dem „sehr persönlichen“ Bereich habe ich reduziert.
Für mich geht die große Faszination sozialer Netzwerke davon aus, dass sie sich wechselseitig beeinflussende Kommunikation auf vermischter digital-realer Ebene mit gegenseitiger Restriktion und Filterung der Inhalte darstellen. Das hab ich nun etwas protzig wissenschaftlich formuliert, aber es fasst gut zusammen, was ich mag. Der besseren Übersichtlichkeit halber hier meine Beobachtungen in Listenform:

Kommunikation (auch) in sozialen Netzwerken heißt:

1. Vermischung der digitalen und (ebenso gefilterten) realen Ebene menschlicher Kommunikation (es ist meiner Meinung nach ein Irrtum, zu glauben, dass real-menschliche Kommunikation ungefiltert passiere. Außerdem ist auch Firmen- bzw. Marken-Kommunikation immer noch menschliche Kommunikation).
2. Vermischung der digitalen und realen Interaktion (etwa durch Informationen über Veranstaltungen, die ich entweder ohne reale oder ohne digitale Beziehungen nicht wahrgenommen und eventuell besucht hätte).
3. Die wechselseitige Beeinflussung des digitalen und realen Verhaltens durch das jeweils andere (beispielsweise ein Blogbericht über meinen ernst gemeinten Vorsatz, das Rauchen aufzugeben als sich digitales Rückversichern, Bestätigen und Verfestigen des realen Vorhabens).
4. Die Einflussnahme von persönlichen (digialen oder realen) Erfahrungen auf das digitale oder reale Verhalten (so wie beispielsweise die Wahrnehmung und Einflussnahme von Zustimmung – „Likes“ bzw. „Lob“ – auf zukünftiges Verhalten).
5. Und es gibt noch viele weitere Elemente des Zusammenwirkens und Sich-Gegenseitig-Beeinflussens von realen und digitalen sozialen Netzwerken.

Was heißt das ganz konkret?

1. Durch meine (Inter-)Aktionen in sozialen Netzwerken habe ich meine realen Netzwerke vergrößert und umgekehrt.
2. Zuerst Privates (Facebook-Nutzung) spielte plötzlich auch beruflich eine Rolle (Betreuung eines Facebook-Accounts).
3. Es gibt mir ein gutes Gefühl, öffentlich zu meinen Überzeugungen zu stehen (Meinungen in Blog-Einträgen, Foren, Profilen) und diese auch verändern zu dürfen/können.
4. Ich mag es, mir ein (gefiltertes, aber neutraleres und mehrdimensionaleres) Bild von Organisationen und Personen machen zu können.

Fazit:

Ich halte es für sinnvoll und für manche Bereiche der Berufswelt notwendig, sich sozial-medial zu beteiligen, und sei es nicht aktiv, dann zumindest als Konsument. Denn die klassischen Medien (Radio, Fernsehen, Zeitung, Bühne) halten nicht mehr genug Informationen bereit, um sich ausreichend zu „bilden“ (ich verwende dieses Wort hier absichtlich anstatt „informieren“).

Unbeschadet all dessen bin ich fest überzeugt, dass die wichtigsten Informationen nur von Herz zu Herz ausgetauscht werden können – denn die Sensorik des Herzens und des Gewissens sind größtenteils untrügerisch.

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Über Andreas

Ich bin 38, Theologe (Studium in Linz), Vater von zwei Töchtern, habe in Wien ins Wirtschaftsstudium geschnuppert und erste Erfahrungen als Redakteur gesammelt im Kommunikationsbüro der Diözese Linz. Bin gerne in sozialen Netzwerken, online wie offline, aktiv und blogge hin und wieder.

Veröffentlicht am 22. Januar 2012 in Kommunikation, Social Media und mit , , , , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Hinterlasse einen Kommentar.

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