Ich werde gezappt

[zappen: (beim Fernsehen) mit der Fernbedienung in rascher Folge den Kanal wechseln, auf einen anderen Kanal umschalten – Duden]

autoradio_by_motograf_pixelio-deBild: motograf / pixelio.de

Bei mir geht’s nicht um’s Fernsehen, sondern um’s Radio hören. Der „neue“ Gebrauchtwagen, den wir seit ein paar Wochen fahren, hat eine Macke: Von Zeit zu Zeit beginnt das Autoradio von selbst einfach zwischen den gespeicherten Radiosendern umzuschalten. Oft bleibt ein Sender dann nur für ein paar Sekunden hörbar. Spätestens nach drei Minuten hat der Spuk ein Ende und irgendein „zufälliger“ Sender bleibt eingestellt. Manchmal ist es auch so, dass die Lautstärke sich selbst „reguliert“ und das Radio von selbst leiser oder lauter wird. Wobei das lauter werden ziemlichen Stress bedeutet, wie man sich vorstellen kann.

Neulich zappte das Radio wieder einmal von selbst durch: Ich hatte Ö1 gehört – ein Gespräch mit dem österreichischen Kabarettisten Werner Schneyder. Plötzlich zappte das Radio auf den Sender FM4. Dort war – für ein paar Sekunden – Stefan Ruzowitzky zu hören. Ohnehin eine schwere Entscheidung, wem man lieber zuhört. Dann – nach ein paar Sekunden – wechselte das Radio zu Life Radio, dann zu Radio Oberösterreich, dann wieder zu Ö1, zu FM4 und so weiter. Bis es schließlich bei Radio Oberösterreich „hängen“ blieb.

Nach diesem Wechselszenario des Autoradios, bei dem ich mich „gezappt“ fühlte, kam mir der Gedanke, dass dieses automatisierte, kaputte Zappen irgendwie ein Sinnbild des Lebens ist. Denn unser Leben verläuft meiner Wahrnehmung nach oft ungeplant, unerwartet, wir werden mit Inhalten und Herausforderungen konfrontiert, die für uns nicht absehbar sind. Dabei geraten wir in gute Episoden und auch in weniger gute. So wie auch die Inhalte der Radiosendungen mal mehr, mal weniger Mittelmaß beinhalten. Und schließlich, wenn es uns für eine Zeit lang „durchgebeutelt“ hat, kehrt wieder Ruhe ein. Und wenn man Glück hat, ist diese Ruhe angenehm und das Leben hat einen Punkt erreicht, an dem man gerne auch eine Zeit lang verweilt.

Weil das automatische Zappen des Autoradios bzw. Boardcomputers nicht aufhört, habe ich mich damit arrangiert. Und ich denke immer wieder beim Fahren: Es komme so, wie es kommen soll. Das Einzige, das in meinen Händen liegt, ist die Lautstärke, die ich herunterdrehen muss, wenn es zu laut wird. Und auch das ist, wie ich finde, ein Sinnbild des Lebens. Denn es kommt immer darauf an, wie sehr man etwas an sich heranlässt, das einem widerfährt. Auf die „Lebenslautstärke“ sozusagen.

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Über Andreas

Ich bin 38, Theologe (Studium in Linz), Vater von zwei Töchtern, habe in Wien ins Wirtschaftsstudium geschnuppert und erste Erfahrungen als Redakteur gesammelt im Kommunikationsbüro der Diözese Linz. Bin gerne in sozialen Netzwerken, online wie offline, aktiv und blogge hin und wieder.

Veröffentlicht am 22. Januar 2017 in Allgemein, Persönliches und mit , , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Hinterlasse einen Kommentar.

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