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Ist denn Christus zerteilt? Gebetswoche für die Einheit der Christen 2014


Ich wurde gebeten, einen Impuls zu formulieren. Es geht um den Text aus dem ersten Korintherbrief 1,1-17.

Es ist der Text für die heurige Gebetswoche zur Einheit der Christen, die auf der Norhalbkugel traditionell von 18. bis 25. Jänner stattfindet:

Bild(Bild: Sebastian von Gehren, pixelio.de)

Wenn man den Bibeltext zur Gebetswoche für die Einheit der Christen liest, aus dem ersten Brief des Paulus an die Gemeinde in Korinth, dann kann man diesen in einem Satz zusammenfassen: Bitte keine Spaltungen!

Es ist mehr als ein Satz – es ist eine Aufforderung, eine Mahnung, eine mehr als dringliche Bitte an alle, die sich zu Gott durch Jesus Christus bekennen.

In der Übersetzung dieser Bibelstelle durch Jörg Zink, den evangelischen Priester, Fernsehpfarrer und Sprecher der Friedensbewegung in Deutschland, heißt es sogar noch deutlicher als in der Einheitsübersetzung: „Ich bitte euch aber, liebe Brüder – nein, nicht ich, Jesus Christus selbst bittet euch…“

Jesus Christus selbst bittet euch – deutlicher kann eine Aufforderung wohl nicht sein, als aus dem Mund Jesu selbst. Und es unterstreicht die Dringlichkeit des Anliegens: Wir sollen alles uns Mögliche tun, damit wir sichtbar und unsichtbar an einem Seil ziehen. Alle, die an Gott durch Jesus Christus glauben, sollen das Trennende hintanstellen und das Gemeinsame in den Vordergrund rücken.

Es ist nicht so sehr eine Frage des Details – was ist nun genau das Trennende und das Verbindende. Es ist eine Frage des Großen und Ganzen.

Was ist mir als Christin, als Christ, ein Anliegen? Kann ich über manche Uneinigkeit und Verstimmung hinwegsehen? Bin ich bereit, beim Namen zu nennen, was uns verbindet, selbst wenn es schmerzt, dass oft aneinander vorbeigeredet wird und gewisse Wunden immer wieder neu aufgerissen werden? Bin ich bereit, den Leitsatz in den Vordergrund zu stellen:

„Bitte keine Spaltungen!“

Und Spaltung heißt nicht gleich, dass es eine neue Kirche gibt. Spaltung fängt an, wenn man sich nicht anschaut, wenn man aneinander vorbeigeht, wenn man aneinander vorbeiredet.

Beten wir heute vor allem um das gute Miteinander unter uns. Beten wir um ein friedfertiges Herz, das uns jeden Tag daran erinnert, dass wir wie Geschwister leben als Christinnen und Christen.

„Bitte keine Spaltungen“ – Das ist das Wort Gottes für unsere Zeit und für die kommende Woche.

Und ich bitte dich Gott, fange bei mir an. Amen.

Links:

Gebetswoche für die Einheit der Christen 2014
Jörg Zink
Themenpaket Ökumene der Kathpress

Lange Nacht der Kirchen in Linz – Justizanstalt u.a.


Am 5.6.2009 war es wieder mal so weit: Die Kirchen der Ökumene in Oberösterreich (Altkatholische Kirche, Baptistengemeinde Linz, Evangelische Kirche AB und HB, Evangelisch-methodistische Kirche, Koptisch-orthodoxe, Römisch-katholische, Rumänisch-orthodoxe und Serbisch-orthodoxe Kirche) veranstalteten zum 4. Mal – gemeinsam mit anderen Orten und Städten in ganz Österreich – in Linz die Lange Nacht der Kirchen.

Mein heuriges Hauptaugenmerk galt der Veranstaltung in der Kapelle der Justizanstalt Linz, Pocherstrasse 9.
Die Teilnahme war nicht ganz einfach, musste man doch zuerst um 18.00 Uhr beim Dom-Center (Neuer Dom) Platzkarten unter Abgabe von Name, Anschrift und Geburtsdatum erstehen, und sich dann ab 19.30 Uhr beim Eingang der Justizanstalt in der Pocherstrasse mit Karte und Lichtbildausweis identifizieren. In 10er Gruppen ging es dann zuerst durch eine Sicherheitsschleuse und dann hinauf in die Kapelle der Justizanstalt.

Dort sprachen

  • Josef Pühringer, Leiter der Justizanstalt Linz
  • Hans-Peter Kirchgatterer, Präsident des Landesgerichtes Linz
  • Walter Eichinger, Richter des Landesgerichtes Linz
  • Thomas Pitters, evangelischer Gefängnisseelsorger in Linz und
  • Markus Vormayr, katholischer Gefängnisseelsorger in Linz.

Josef Pühringer informierte die ca. 100 TeilnehmerInnen, darunter auch Medienvertreter, über den Strafvollzug in Österreich, Oberösterreich und Linz. Er stellte die Aufgaben von Haftanstalten dar und gab auch einen Einblick in die Statistik. Gemerkt habe ich mir, dass die prozentuelle Aufteilung der Insassen sich so beläuft: 3% Jugendliche, 5% Frauen, und 92% erwachsene Männer.
Eine Powerpoint-Slideshow zeigte Bilder von den Zellen, der Arbeit und der Freizeitgestaltung der Insassen.

Hans Peter Kirchgatterer sprach einige Worte über den Zusammenhang von Landesgericht und Justizanstalt und Walter Eichinger legte die Parameter dar, die bei einer Untersuchungshaft berücksichtigt werden müssen.

Im Rahmen der Langen Nacht der Kirchen waren die BesucherInnen natürlich vor allem an der Arbeit der Gefängnisseelsorger interessiert.
Thomas Pitters und Markus Vormayr erzählten über ihre Tätigkeit in der Justizanstalt, über einzelne “Fälle” (natürlich anonym) und über bewegende Momente, etwa den jährlichen Weihnachtsgottesdienst, der auch Hans-Peter Kirchgatterer oft ans Herz geht.
Herr Pitters betonte, dass niemand in seinen Gottesdiensten so gut verstehe, was es hieße, Gott sei ein “gnädiger Richter”, als die Häftlinge beim wöchentlichen Samstag-Gottesdienst (7.30 Uhr).
Die Häftlinge würden aus verschiedenen Motiven kommen: religiöse Anteilnahme, soziale Kontakte (wobei auch in der Kapelle das Komplizen-Verbot eingehalten wird), Mangel an anderen Programmangeboten am Samstag.

Im Anschluss bot sich für einige Minuiten die Gelegenheit, Fragen an die Vortragenden zu richten.

Den Abschluss bildeten ein von Pitters und Vormayr abwechselnd vorgetragener Psalm und ein Segen, der die BesucherInnen in die “lange Nacht” entließ.

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