Archiv der Kategorie: Theologie & Kirche

Spiri-Caching


Spiri-Caching

Spiri-Caching in Micheldorf, Oberösterreich bei der Burg Altpernstein.

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Gebete


Gebete ändern nicht die Welt. Aber Gebete verändern Menschen, und Menschen verändern die Welt.

Albert Schweitzer

Israel-Nachlese


cc andreas fürlinger

In den Semsterferien im Februar waren wir mit einer Pilgergruppe in Israel. Gestern Abend gab es im Pfarrheim ein gemütliches Nachtreffen, um noch einmal im Schauen von Bildern und im Sich-Gemeinsam-Erinnern die Erlebnisse Revue passieren zu lassen. Jede Reise braucht einen gewissen zeitlichen Abstand, um so „richtig“ zu wirken. Für meine Frau und mich waren deshalb die an die Leinwand geworfenen Bilder und die Kommentare der Gruppe eine gute Gelegenheit, noch einmal einzutauchen in einzelne Situationen, in die Atmosphäre im Land, in Gespräche und in das gute Essen, das macht auch etwas aus.
Wir waren uns am Tisch einig, dass wir einen guten Zeitpunkt erwischt hatten im Feburar, weil die Situation nachher angespannter wurde, es an der Grenze zu Ägypten zu Zwischenfällen gekommen war und am Sinai Entführungen bekannt wurden. Besonders amüsant war auch nach einem halben Jahr noch das Foto vom „brennenden Dornbusch“, unter dem der Feuerlöscher stand:

Die Stelle des „brennenden Dornbusches“ mit Feuerlöscher _ Bild cc andreas fürlinger

Wohl ein Sinnbild für unsere Welt: Gott ist da (Dornbusch), aber so ganz traut man ihm nicht (Feuerlöscher, das Feuer soll jederzeit gelöscht werden können).

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
  
 
 

Moseberg (Sinai) _ Bild cc andreas fürlinger


Am Moseberg (Sinai) war es im Februar eiskalt.
Aber der Aufstieg war lohnend. Die Geschichte des Volkes Israel vorbeiziehen lassen in Gedanken, daran denken, was die jüdischen Brüder und Schwestern mit uns ChristInnen verbindet. Die Kargheit der Landschaft „einziehen“ lassen und den Beduinen vergönnt sein, dass der geführte Aufstieg länger als nötig dauert, weil die Lokale am Weg ihren Lebensunterhalt sichern.

Und schließlich wegen der neu aufgebauten Trennmauern den Psalm 18 memorieren, den Sieger Köder so schön ins Bild gebracht hat: „…mit meinem Gott überspringe ich Mauern.“ Für viele in Israel leider keine Realität. Aber man darf der Versöhnung der Religionen genau so viel zutrauen wie der Kirche im Kleinen: Es beginnt immer mit zwei oder drei Menschen – so wird alles möglich.

Guter Start


6. Oktober – und die Sonne hat noch volle Energie
(Elefantengras-Blüten in unserem Garten)

Gut ein Monat ist der Start in Waizenkirchen her. Beruflich bin ich sehr glücklich, privat auch. Es war ein guter Start, übersät mit vielen Eindrücken und Ereignissen. Die ersten Gottesdienste in der Pfarrkirche, die ersten Schulstunden in der Hauptschule, Eine Nummer des Pfarrblattes, Starttreffen und -veranstaltungen der verschiedenen pfarrlichen Gruppen. Kennenlernen der anderen JugendleiterInnen in der Region. Kennelernen von vielen Menschen, von vielen Zusammenhängen. Eintauchen in ein Stück Geschichte einer gewachsenen Pfarre und nach vorne blicken in ein Stück Zukunft dieser Gemeinde.
Beim Jungscharstart gestern in Kopfing am Baumkronenweg ist mir die Puste ausgegangen. „Räuber und Gendarm“ spielen im Wald, da lassen mich meine paar überflüssigen Kilos gleich ins Schwitzen kommen. Super ist das, weil meine anderen sportlichen Aktivitäten eher so hinken. Und bei so einem Traumtagerl draußen sein – was gibt’s schöneres?

Alkoholfreie Cocktails und Musik – Startevent der KJ – Foto cc janhamlet/flickr

Eine erste Jugend-veranstaltung ist auch schon geplant – mein Büro und offenes JugendBüro im Pfarrhof möchte ich den Jugendlichen, die kommen, zeigen und die Katholische Jugend kurz vorstellen. Das ganze im Rahmen eines Cocktailabends. Nach dem Vorbild der „Barfuss-Bar“ (alkoholfreie Cocktails und Musik) freuen wir uns im Jugend-Team auf einen guten Auftakt für ein Jahr der KJ in Waizenkirchen.

Der Zauber des Anfangs weicht langsam der Arbeit des Anfangs… und das fühlt sich richtig gut an!

Update: Durchatmen!

Status: wird installiert…


Allem Anfang…


…wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt und hilft zu leben, heißt es in Hermann Hesses Gedicht „Stufen“.

STUFEN (Hermann Hesse)

Wie jede Blüte welkt
und jede Jugend dem Alter weicht,
blüht jede Lebensstufe,
blüht jede Weisheit auch und jede Tugend
zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.
Es muss das Herz bei jedem Lebensrufe
bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
in and’re, neue Bindungen zu geben.
Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
der uns beschützt und der uns hilft zu leben.
Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,
an keinem wie an einer Heimat hängen,
der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,
er will uns Stuf‘ um Stufe heben, weiten!
Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise
und traulich eingewohnt,
so droht Erschlaffen!
Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,
mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.
Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde
uns neuen Räumen jung entgegen senden:
des Lebens Ruf an uns wird niemals enden.
Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!

Genau eine Woche vor Dienstbeginn als Pastoralassistent in Waizenkirchen erinnere ich mich an den Beginn des letzten Arbeitsjahres. An eine Tafel hatte ich auch dieses berühmte Zitat von Hermann Hesse geschrieben. Nun erinnere ich mich wieder daran. Ein Zauber. Er hilft und beschützt uns. Mich, und auch die Menschen in der Gemeinde, in der Pfarre. Ich mag es nicht gerne, hier zu trennen. Ein Ort ist keine Pfarre und eine Pfarre kein Ort. Wir globalisieren uns im Internet und im analogen Leben und deshalb gibt es für mich hier keine klaren Grenzen. Überhaupt gehören viele Grenzziehungen überdacht. Inklusion und Exklusion sind heute wirksame Mechanismen. Die Digitalisierung unserer Welt hat viele dieser Grenzen überwunden, andererseits aber auch viele neue entstehen lassen.

Es muss das Herz bei jedem Lebensrufe
bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
in and’re, neue Bindungen zu geben.

Ende und Neubeginn

Ein Ende. Es ist ein Ende. Nicht mehr die zermürbenden täglichen 160 km täglich nach Ried. Und eben Neubeginn, ein Lebensruf. Dieser Anfang bedeutet mir viel. Nach dem turbulenten Herbst und dem bewerbungsbedingt turbulenten Frühjahr stelle ich mich ein auf andere, neue Bindungen. Ich werde in die Lebensgeschichten vieler Menschen eintreten, teilhaben. Und viele Menschen werden mich teilhaben lassen an den eigenen Biografien, vielleicht nur an manchen Details oder Äußerlichkeiten, vielleicht aber auch an mehr. Wer weiß? Ich bin bereit, viel zu geben.

Vertrauen

Ein bisschen Mut und Tapferkeit gehört schon zu jedem Neubeginn. Natürlich, ein Jahr lang konnte ich bereits Erfahrungen in hauptamtlicher pastoraler Tätigkeit sammeln. Aber nun beginnt ein unbefristetes Dienstverhältnis. Das bedeutet auch ein gewisses Vertrauen. Das Vertrauen der diözesanen Verantwortlichen, die mich „ins Rennen“ schicken. Das Vertrauen eines Freundes, des Pfarradministrators. Das Vertrauen des Pfarrgemeinderates, den ich bereits kennenlernen durfte. Schließlich auch mein eigenes Vertrauen in die neue (Lebens-)Aufgabe. Ich blicke sehr gelassen in diese doch auch ungewisse Zukunft. Sicherheit gibt mir das Vorschussvertrauen des Pfarrgemeinderates und des Pfarradministrators, vor allem aber geben mir meine sehr stabilen Beziehungen tiefen und festen Halt. Meine Frau, meine Familien, meine Freunde. Und die Beziehung zu dem, der in mir wohnt und durch den ich lebe.

„Es ist alles fromm, was dem Leben dient.“

Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,
an keinem wie an einer Heimat hängen,
der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,
er will uns Stuf‘ um Stufe heben, weiten!

Gerade erinnere ich mich an ein Gespräch. „Das ist aber nicht sehr fromm“, habe ich aufgenommen. Meine Antwort war: „Es ist alles fromm, was dem Leben dient.“ Diese Ansicht ist vielleicht etwas weit zum Fenster hinausgelehnt, aber dazu stehe ich. Schließlich und endlich geht’s darum, was dem Leben dient, was in die Weite führt. Die (gedankliche) Enge macht nervös, ängstlich, unfrei. Deshlab freue ich mich auch auf die Hauptaufgabe in Waizenkirchen: Die Arbeit mit den / für die Jugendlichen. Es ist ein Unterschied zwischen fromm und fromm. Was die einen für besonders fromm halten, ist für andere lächerlich und umgekehrt. Aber das soll nicht im Mitttelpunkt stehen. Was dem Leben dient, ist fromm. Auch wenn nicht das Schild „kirchlich genehmigt“ dranhängt.

Spielend leicht

Eines der Dinge, die ich mit Leidenschaft und großer Hingabe mache, ist Spielen. Es ist das Abtauchen in eine andere Welt, das so faszinierend ist. Jemand anderer sein dürfen, wie im Fasching. Etwas ausprobieren, wie ein Kind. Sich ausklinken, wie ein Urlauber. Sich reinsteigern, wie ein Besessener. Das Verlieren lernen, wie ein Mensch. Siegen, wie ein König. Und das alles in vielleicht einer halben Stunde. Unfassbar, wie verdichtet sich das Leben im Spiel abspielt. Der spielende Mensch, der „homo ludens“ ist für mich der Inbegriff des gelungenen Lebens. Wer verlernt hat, spielerisch mit der Welt, den Mitmenschen, sich selbst umzugehen, dem fehlt etwas. Ein wenig Beweglichkeit, vielleicht Humor, vielleicht auch Tiefe.

Spiel und das spielerische Umgehen bringt Leichtigkeit, weitet Herz und Gedanken. Vielleicht kann und darf ich auch davon etwas einbringen in mein neues berufliches und menschliches Umfeld.

UTZ CERTIFIED – ein guter Schritt oder der Versuch, Fairtrade- und Biostandards zu unterlaufen?

Dumdidldu oder die Kraft der Poesie

Weltkirche, das bin auch ich. Was fehlt, ist der Mut.


Die Bekanntgabe der kirchlichen Statistik 2010 heute Vormittag und die vergleichsweise hohe Anzahl der Austritte aus der Katholischen Kirche sind gerade Anlass für viele Medien, über die Kirche nachzudenken.

Kardinal Christoph Schönborn war live aus Rom zu Gast in der ZIB2. Von Armin Wolf angesprochen auf die sogenannten „Reformthemen“ (Zölibat, wiederverheiratete Geschiedene) sagte er sinngemäß, dass diese nicht in Österreich zu lösen seien, sondern auf der Ebene der Weltkirche. Da muss schon die Frage gestellt werden, wer die Weltkirche denn sei. Der Papst? Die Kardinäle? Die Bischöfe? Oder alle KatholikInnen zusammen?

Wenn Schönborn die These vertritt, dass man kirchliche Reformen nicht in Österreich angehen kann, dann sagt er damit implizit, dass die Weltkirche der Papst ist. Denn schließlich ist er Kardinal und gehört damit der obersten Etage der kirchlichen Hierarchie an. In der Position eines Kardinals könnte Schönborn sehr wohl laut und deutlich mitreden, was kirchliche Reformen und Richtungsentscheidungen angeht. Es muss also gefolgert werden, dass entweder die Einsicht fehlt, dass Reformen notwendig sind, oder der Mut, diese zu vertreten und einzufordern. Angenommen, die Einsicht ist da, dann muss ich als Katholik sagen: Nehmen sie ihre Verantwortung wahr, Herr Kardinal! Es geht nicht um Austritte und Eintritte. Aber sich an den Reformthemen vorbeizureden durch den Bezug auf „die entscheidenden Fragen des Menschen“ ist feige. Frauen wollen nicht länger von kirchlichen Ämtern ausgeschlossen sein. Priester wollen nicht mehr zum Zölibat gezwungen werden. Ehepaare, denen die gemeinsame Basis verlorengegangen ist, wollen nicht mehr als KatholikInnen zweiter Klasse behandelt werden. Und schon gar nicht wollen alle diese Menschen mit Verweis auf „den Willen Gottes“ oder „die Bibel“ oder „Jesus“ abgespeist werden. Denn der Gott, an den diese Menschen glauben, an den ich glaube, ist menschenfreundlich, er ist kein Mann, und er ist auf der Seite derer, die gering geschätzt, abgespeist und klein gehalten werden.

Weltkirche, das sind alle KatholikInnen, weltweit. Weltkirche, das bin auch ich.

Sternsingen 2011


Alle Infos zur diesjährigen Dreikönigsaktion finden sie auf der Seite der Katholischen Jungschar unter www.dka.at

Am Dürnberg in Ottensheim unterwegs: Christa Mitter, Katharina und Andreas Fürlinger

Heute waren wir zu dritt wieder einmal in Ottensheim am Dürnberg unterwegs als die „Heiligen Drei Könige“. Viele Jahre gehen wir nun schon als Erwachsenengruppe, um Geld für das Hilfswerk der Katholischen Jungschar zu sammeln, das für wichtige Projekte rund um den Globus verwendet wird. Ich kann es mir als junger Mensch, der sich gerade eine Existenz aufbauen will, nicht leisten, selbst große Spenden zu geben. Freie Zeit setze ich hingegen gerne ein für Menschen, die materiell wenig haben. Unser Gehen sehe ich auch als Einsatz gegen das Unrecht der weltweiten Armut. Gerade jetzt, wo die Bundesregierung die wenigen Mittel, die sie bisher für Entwicklungszusammenarbeit ausgegeben hat, drastisch gekürzt hat, ist das wichtiger denn je.

Herr Kleux und die Weihnachtsaktion


Herr Kleux ist ein guter Mensch. Er wohnt in der Tannengasse 13a im zweiten Stock in der Wohnung 7. Schon seit 14 Jahren mittlerweile. Er ist Junggeselle aus Überzeugung und investiert deshalb ziemlich viel Zeit in seinen Beruf als Redakteur bei der Regionalzeitung, dem „Stadtkurier“. Leitender Redakteur ist er mittlerweile. Vor zwei Jahren hat er seinen Vorgänger, der zur Konkurrenz gegangen ist, abgelöst.

Zu Beginn der Weihnachtszeit hat sich Herr Kleux dieses Jahr etwas Besonderes einfallen lassen. Er will Herrn Rogel seinen sehnlichsten Wunsch erfüllen: Ein Auftritt des stadtbekannten Schulchores in seiner Wohnung.
Schon seit eineinhalb Jahren ist Herr Kleux auf Twitter mit Herrn Rogel befreundet, der in derselben Stadt lebt. Über dieses soziale Nachrichten-Medium organisiert sich Herr Rogel sein Leben. Da er ein Pflegefall ist, kommt er selten aus seiner Wohnung raus. Frau B. erledigt die Einkäufe für ihn, Herr S. kümmert sich um die Post, Frau M. schupft den Haushalt. Und noch einige andere helfen Herrn Rogel, sein Leben zu meistern.

Herr Kleux will dieses soziale Projekt zur diesjährigen Weihnachtsaktion der Regionalzeitung machen. In den Redaktionssitzungen Anfang Dezember stellt er seine Idee vor und bittet einen Mitarbeiter, persönlichen Kontakt mit Herrn Rogel aufzunehmen und ein erstes Interview mit ihm zu machen. Mitte Dezember ist Herr Rogel auf der Titelseite des Stadtkuriers zu sehen. Daneben ein Bild des Schulchores, den er bei jedem Auftritt im Radio gehört hat. Sein Wunsch soll also wirklich in Erfüllung gehen. Am 24. Dezember wird „sein“ Chor bei ihm in der Wohnung singen. Herr Kleux ist glücklich, dass er etwas Gutes in die Wege geleitet hat. Und für die Zeitung ist es auch gut. Neben Sex, Kriminalität und Haustieren steigern auch soziale Aktionen die Leserzahlen.

Es ist der 22. Dezember und Herr Kleux ist mehr als gestresst. Werbekunden, die lästig sind, die Zustellung der Zeitung hinkt, weil viel Schnee gefallen ist die letzten Tage. Verärgerte Kunden am Telefon, der Posteingang seiner Emails quillt über. Herr Kleux ist eine ruhige Person, aber mittlerweile freut er sich auf den 24. Dezember, denn um 18 Uhr wird er die Redaktion verlassen und nichts mehr von der Zeitung wissen wollen. Da wird er dann auf Facebook und Twitter allen Freunden noch frohe Weihnachten wünschen. Bei Herrn Rogel will er sich dann am 25. Dezember via Twitter erkundigen, wie er den Besuch des Schulchores erlebt hat. Denn um 19 Uhr will er am Heiligen Abend nicht mehr im Dienst sein.

Nun ist er also da, der Heilige Abend. Alles ist sich für Herrn Kleux ausgegangen. Werbekunden sind zufrieden, die Leser auch, die Mitarbeiter durften um 16 Uhr nach Hause. Um 18 Uhr geht auch er als letzter aus der Redaktion. Es ist schon ziemlich ruhig in den Straßen der Stadt. Dunkelheit, Weihnachtsbeleuchtung und Christbäume zieren die Plätze und Häuser. Als Junggeselle will er diesen Heiligen Abend Essen gehen. Noch kurz in die Wohnung, um zu duschen und in einen feinen Anzug zu schlüpfen. Eile hat Herr Kleux heute nicht. Er schlendert den Weg von der Redaktion zur Tannengasse nach Hause. Heute geht er zu Fuß. Kurz vor 19 Uhr öffnet er den Hauseingang, geht die Treppe hoch in den zweiten Stock und schließt seine Wohnungstür auf und hinter sich zu. In der Nebenwohnung dürfte sich die Großfamilie angesagt haben, denn es ist ziemlich laut, es wird gelacht und geredet. Was genau, hört Herr Kleux nicht, obwohl die Wände dünn sind.

Plötzlich ist es vollkommen still in der Nachbarwohnung. Weihnachtliche Lieder erklingen, Herr Kleux versucht sich zu erinnern, weshalb ihm die Musik so vertraut ist. Ja, das hat er im Advent mehrmals im Radio gehört. Das ist… Das ist doch der bekannte Schulchor aus der Stadt. Jetzt wird Herrn Kleux etwas flau im Magen. Sein Nachbar? Herr Rogel wird doch nicht…

Herr Kleux schaltet den Computer ein, steigt ins Internet ein. Twitter, Herr Rogel. Tannengasse 13a/8 hat dieser als Adresse öffentlich angegeben. Das hat Herr Kleux bisher überlesen in den eifrigen Konversationen im Netz. Er wartet unentspannt auf das letzte Lied des Chores, hört wie wieder geredet wird. Im Treppenhaus vor seiner Tür wird es etwas lauter, die Schülerinnen und Schüler gehen die Stiegen runter. Es wird leiser, der letzte Schüler lässt die Haustür ins Schloss fallen. Nun traut sich auch Herr Kleux auf den Gang. Er geht zu seinem Wohnungsnachbarn und läutet. Es surrt. Die Tür geht auf und Herr Kleux tritt in die Wohnung, in der er noch nie gewesen ist. Alte Möbel, aber alles stilvoll. „Kommen sie näher“, sagt der Mann im Bett zum Chef der Stadtzeitung. „Wollen wir uns eine Pizza bestellen und zusammen essen? Ich war gespannt, ob sie’s rauskriegen, dass ich ihr Nachbar bin.“ Er lächelt. Da laufen dem Herrn Kleux die Tränen über die Wangen. „Es ist mir so peinlich, Herr Rogel. Bitte entschuldigen sie, Herr Rogel. Wie kann man nur so blind sein? Ich bin seit 14 Jahren ihr Nachbar und noch nie habe ich angeklopft. Es ist mir so peinlich.“
„Bestellen sie uns eine Pizza? Und vielleicht ein Fläschchen Rotwein?“
„Das machen wir“, lächelt nun auch Herr Kleux.
Es ist Heiliger Abend. Es ist Weihnachten.

Eine Weihnachtsgeschichte von Andreas Fürlinger

Hinaus ins Leben – Ein halbes Jahr Freiwilligkeit in Indien


Hinaus ins Leben – Ein halbes Jahr Freiwilligkeit in Andhra Pradesh / Indien

Heute Abend war ich im Pfarrsaal Ottensheim bei einem Bildvortrag der jungen Ottensheimerin Theresa Baumgartner, die von Okotber 2008 bis März 2009 im Waisenhaus „Daddy’s Home“ in Andhra Pradesh, Indien, ein paar Monate ihres Lebens verbrachte. In diesem Haus, dem eine Schule angeschlossen ist, finden verstoßene Kinder oder Alte, Straßenkinder, HIV-Kranke und andere, die es in der indischen Gesellschaft schwer haben, Zuflucht und eine neue, sehr große Familie.

Viele Bilder und Textfolien, die Theresa’s Aufenthalt dokumentierten, haben mich tief berührt. Nicht, weil ich noch nie gesehen hatte, wie einfach, ärmlich und trotzdem freudig Menschen leben. Sondern deshalb, weil ich einige zwar nicht neue, aber dennoch vertiefende Erkenntnisse aus diesem Vortrag ziehen konnte:

In diesem Waisenhaus leben Hindus, Christen und Moslems problemlos zusammen. Es werden katholische Messen und ebenso hinduistische bzw. muslimische Feste gefeiert. Wenn ich an die Situation in Europa denke, wo Pseudo-ChristInnen gegen die drohende Gefahr, die von anderen Kulturen und Religionen ausgehe, hetzerische Kampagnen betreiben, dann denke ich mir: Von den einfachen und armen Menschen könnten wir lernen, denn für diese Menschen in Indien zählt nur eines: eine große Familie zu sein, in der jede und jeder seinen Teil dazu beiträgt, dass alles gut läuft.

Die Kluft von Arm und Reich ist in diesem ländlichen Gebiet Indiens sehr kontrastreich und deutlich. Unmittelbar nebeneinander existieren Menschen, die in großen Villen und andererseits in Zelt-Hütten leben. Das Kastenwesen des Hinduismus trägt dazu nicht unwesentlich bei und verhindert praktisch die Aufweichung der gesellschaftlichen Schranken, die es gibt.
Ohne etwas schwarz zu reden: Die Kluft zwischen Armen und Reichen wächst auch in den wohlhabenden Staaten Europas, nicht zuletzt in Österreich. Hier ist es nicht das Kastenwesen als wesentlicher „Stabilisierungs“-Faktor der gesellschaftlichen Verhältnisse, sondern die Politik, die die Aushöhlung der sozialen Standards verantwortet, die die Generationen nach dem zweiten Weltkrieg mit viel Fleiß und durch politisches Verantwortungsbewusstsein geschaffen haben. Dass wir schon eine gute Zeit lang weit weg von wirklichem Verantwortungsbewusstsein in der Politik leben, machen nicht zuletzt die Krisen der letzten Zeit deutlich.

In diesem Weisenhaus in Indien konnte sich Theresa nicht per Englisch mit den BewohnerInnen verständigen, weil deren Englisch-Kenntnisse nicht ausreichten. Also verständigten sie sich mit Händen und Füßen.
Wenn bei uns jemand nicht Deutsch kann, kann er oft damit rechnen, auf irgend eine Weise diskriminiert zu werden. Die christliche Sicht auf die Menschen als Kinder Gottes und somit als Schwestern und Brüder könnten wir sicher vertiefen. Denn dieser Blick macht deutlich, dass alle Hervortuerei wichtiger Menschen letztlich lächerlich ist. Arme Menschen haben den Blick Gottes: Weil du da bist, liebe ich dich. Die sprechenden Bilder von Theresa haben mir das sehr deutlich vor Augen geführt.

Den Bericht im Pfarrblatt Ottensheim von Theresas Freiwilligen-Zeit in Indien inklusive Fotos finden sie hier:
Bericht im Pfarrblatt Ottensheim (pdf)

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