Archiv des Autors: Andreas

Science Busters – eine Predigt, eine Einladung


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Heute Abend waren Katharina und ich bei den Science Busters im Posthof in Linz. Es war ein wunderbarer Abend, „Forschung auf Weltniveau“ eben. Viele Schmunzler, einige Lacher, ein sympathischer MC Martin Puntigam, und ebensolche Wissenschafter: Florian Freistetter und Helmut Jungwirth.
Oft schon habe ich die Sendung im ORF gesehen. So auch am 12. April 2016. Am darauf folgenden Sonntag, dem 17. April, habe ich in der Pfarre Waizenkirchen Inhalte dieser Sendung bzw. die Science Busters in der Predigt erwähnt (Predigt hier abrufbar).
Einen Tag später habe ich dann getwittert:
https://twitter.com/sprichmitmir/status/722542458194763776 „Ich habe ja am Sonntag über die #ScienceBusters gepredigt. Es gibt da durchaus Anknüpfungspunkte.“

Daraufhin hat Florian Freistetter von den Science Busters geantwortet:
https://twitter.com/sprichmitmir/status/722542458194763776 „Wirklich? Eine Predigt über die Science Busters? Klingt interessant – dürfen wir da nach Details fragen?“

Ich hab ihm dann den Link zur Predigt geschickt und daraufhin die Einladung erhalten, das Programm „Science Busters – Saisonfinale“ als Gast zu besuchen.

Seit 2009 twittere ich nun – doch so etwas ist mir bisher nicht passiert. Ich sehe daran, dass das Internet, dass Social Media die Welt doch kleiner werden lassen. Ausserdem freut es mich, dass ich in diese Sendung eingeladen wurde, die doch einen relativ klaren atheistischen Geist hat.
Und nicht zuletzt möchte ich auch hier (wie in meiner Predigt) betonen, dass es wichtig ist, dass die Theologie mit anderen Wissenschaften im Gespräch bleibt – egal auf welche Art. Und das ist hier ansatzweise gelungen.
Danke Florian Freistetter, danke an die Science Busters für diese Offenheit!

„Was mich bewegt“ oder „Die Möglichkeiten des Miteinanders“


Bild: flickr / stoha
Die Möglichkeiten des „Miteinanders“ sind weit vielfältiger als jene des „Gegeneinanders“

Ich versuche herauszufinden, zu welchem Datum ich Facebook beigetreten bin. Das sollte durch eine ergoogelte Anleitung leicht sein. Naja, fünf Minuten später bin ich fündig. Der entscheidende Hinweis auf “gutefrage.net” lautete: “Schau in deinen Emails nach ‘Facebook-Registrierung’”. Also: Seit 26.1.2009 bin ich bei Facebook registriert. Eine ganz schön lange Zeit, die ich da schon dabei bin. Ein halbes Jahr habe ich pausiert. Facebook-Fasten war sehr modern. Anschließend habe ich weniger gepostet. Dann wurde es wieder mehr. Dann wieder weniger. Im selben Jahr, 2009, registrierte ich mich auch bei Twitter. Waren es Ende 2009 rund 18 Millionen Twitter-User weltweit, sind es derzeit so um die 305 Millionen Nutzer. Bei Facebook beobachtet man eine noch rasantere Entwicklung. Die Zahl der Nutzer_innen stieg von rund 300 Millionen (monatlich aktiv) im Jahr 2009 auf fast 1,3 Milliarden Nutzer_innen Anfang 2016. Bei ca. 7,4 Milliarden Menschen Weltbevölkerung. Ich spare mir die Zahlen für pinterest, instagram oder den neuesten Trend snapchat. Ich versuche für mich zu klären, warum ich das so lange durchgehalten habe bisher. Mögliche Gründe fallen mir schnell ein: Mitteilungsbedürfnis, Informationsaustausch, -beschaffung und -weitergabe, Befriedigung der täglichen Dosis Humor. Kürzlich erst habe ich mit einem Medienarbeiter gesprochen, der meinte: Es ist nur eine Frage der Zeit, bis Facebook, Twitter und Co in sich selbst zusammenbrechen. Aber was dann? Zurück zu einer internetlosen Kultur oder einfach ein Ausweichen auf andere Plattformen (studiVZ ist ja auch gestorben)? Ich bin sehr unschlüssig, tippe aber auf einen steten Wandel und eine stete Verschiebung von Inhalten von einer Plattform zur nächsten.
gutefrage.net ist übrigens meine Lieblingsseite, wenn ich Suchergebnisse durchstöbere. Nicht.

Ohne Überleitung zur Flüchtlingsfrage

Überleitungen werden überwebewertet. Daher hinein ins Thema. Wir diskutieren über Zäune, als hätten wir nicht gerade erst den Eisernen Vorhang für überwunden geglaubt. Wir diskutieren über Obergrenzen, als würden Waffenexporte den Menschen in Syrien, im Irak oder in Teilen Libyens eine Wahl lassen. Wir reden über eine gerechte Verteilung der geflüchteten Menschen (und es sind immer noch Menschen!) innerhalb Europas, als habe es in Europa jemals Gerechtigkeit gegeben und als wäre die EU mehr als eine Wirtschaftsunion. Wir sehen Erscheinungsformen der organisierten Angst wie Pegida. Oder Parteien, die aus dieser Angst Kapital schlagen, wie die FPÖ oder die AfD in Deutschland. Und manch aufgeklärter, halbwegs gebildeter und gutherzige Mensch sitzt nach einem Acht-Stunden-Arbeitstag dann ungläubig vor dem Fernseher und glaubt nicht recht, was da vor sich geht, wenn Flüchtlingsheime oder Roma-Zelte brennen, wenn die Stimmung in Teilen der Bevölkerung eher stark als schwach an jene Zeit erinnert, an die ich mich selbst mangels Lebensalter zwar nicht zurückerinnern kann, die aber ein guter Geschichtsunterricht in den 1990er Jahren mehr als ausgiebig behandelte. Fehlt einfach die Fähigkeit des Menschen, aus der Geschichte zu lernen? Wie können wir in Europa heute Menschen aus der Pflichtschule entlassen, die blinde Flecken im unverzichtbaren Geschichtswissen der Jahre 1939 bis 1945 (und davor und danach) haben? Wenn wir aber sehen, dass es schon manchmal an den Grundrechnungsarten und an halbwegs brauchbarem Deutsch mangelt, wundert man sich nicht mehr so stark.
(Feiner Humor des Twitterers @Darth_Lehrer: “Ich fahr jetzt IKEA.” “ZU IKEA!” “Fahr ich halt morgen IKEA.”)
Um es abzukürzen: Wir brauchen Visionäre der Liebe und Ermutiger, denn Kritiker hat die Welt genug. Wir brauchen Menschen, die nicht vergessen haben, dass wir nur EINE Welt haben. Die wissen, dass es eine “Gnade des Geburtsortes” gibt, die im schlimmsten Fall über Leben und Tod entscheidet. Wir brauchen Menschen, die hitzige und unsinnige Diskussion entschleunigen und die Fähigkeit haben, Menschen ins Gespräch zu bringen. “Der Planet braucht keine erfolgreichen Menschen mehr”, sagte der Dalai Lama. “Der Planet braucht dringend Friedensstifter, Heiler, Erneuerer, Geschichtenerzähler und Liebende aller Arten.” Hätten die Parlamentsklubs der österreichischen Parteien ein Stammbuch – das würde ich ihnen hineinschreiben. Ich denke, wir brauchen auch keine politischen Zuordnungen wie “links” oder “rechts”. Und wir brauchen daher folglich auch keine “Mitte”. Vielmehr brauchen wir ein neues “Miteinander”. Die kommunikativen Grundrechnungsarten wie “Zuhören, Empathie, Ausreden lassen, den anderen verstehen WOLLEN” müssen Konjunktur bekommen. Und nein, früher war das NICHT besser. Nur anders.

Ungleichheit

Wie kann es sein, dass 62 Einzelpersonen so viel besitzen wie die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung? 53 dieser 62 Menschen sind übrigens Männer. Außerdem besitzt 1 Prozent der Weltbevölkerung so viel wie die restlichen 99 Prozent zusamen. Welche Emotionen sind angesichts dieser Tatsachen angebracht? Wut? Enttäuschung? Frustration? Resignation? Wohl ein Mischung aus diesen. Wohin steuert eine Welt, in der solches möglich ist?
Es gibt eine (älter als die) biblische Tradition des “Jobeljahres”. Es ist ein Jahr der “Freilassung”. Gemeint sind Sklaven, aber auch Grund und Boden sollten nach 50 Jahren wieder “gerecht” verteilt werden. Ausserdem sollten nach 50 Jahren alle Schuldurkunden vernichtet werden.
Das wäre doch etwas, alle 50 Jahre ein “Jobeljahr”? Verschuldete arme Staaten, die in Abhängigkeiten von anderen Staaten stehen, könnten aufatmen, Menschen bekämen plötzlich neue Lebensperspektiven, Ausbeutung fände ein Ende. Es klingt wie ein Sieg der Vernunft.
Aber wo stehen wir? Frauen sind nach wie vor die Verliererinnen der neoliberalen Wirtschaftssysteme, Entwicklungsländer geraten in immer stärkere Abhängigkeiten, ein ganzer Kontinent ächzt unter der Last der weltweit beheimateten Peiniger.
Der für mich momentan einzig mögliche Weg, aus dieser Situation herauszukommen, ist eine Veränderung der Gesellschaft weg von der Konsumorientierung hin zu einer Gemeinwohl-Orientierung. Projekte in dieser Richtung gibt es genug. Sie reichen von der “Bank für Gemeinwohl” über “Micro-Kredite” bis hin zu “Repair-Cafes”. Die Möglichkeiten des “Miteinanders” sind weit vielfältiger als die Möglichkeiten des “Gegeneinanders”. Diese Überzeugung lässt mich jeden Tag zufrieden einschlafen. Denn sonst müssten einem ja die Haare, so man noch welche hat, zu Berge stehen angesichts der weltweiten Schieflagen.

Valentinstag – Gedanken für Liebende


ich_liebe_dich

Eine Predigt

Am vergangenen Mittwoch, Aschermittwoch, ist mir ein Text in die Hände gefallen, der mich sehr ermutigt hat. Es ging darin nicht in erster Linie um die Liebe, die heute unser Thema ist, sondern um die neuen Menschen. Um eine Vision, wie die Menschen sein werden. Gewissermaßen um ein Idealbild, einen Wunsch, vielleicht einen Traum. Aber wenn ich ihnen nun diesen Text vorlese, werden sie merken, dass von Menschen die Rede ist, die die Liebe verstanden, verinnerlicht haben. Und zwar in all ihren Dimensionen, die schwer zu erfüllen und zu begreifen sind.

Es ist nicht so, dass wir in den Zwang verfallen sollten, ein Ideal zu leben, das wir gar nicht erreichen können. Ideale sind da, um in uns Bilder entstehen zu lassen und wach zu rufen. Bilder, die uns Mut machen sollen. Manchmal haben wir schöne Träume und sind dann enttäuscht, dass wir aufwachen. Weil wir genau wissen, dass die Welt des Traumes nicht die reale Welt ist. Aber wenn wir das Göttliche in uns ernst nehmen, das Göttliche in der Welt, dann werden wir verstehen, dass wir sowohl in der sogenannten „realen“ Welt als auch in der des „Traumes“, des „Wunsches“, beheimatet sind.

Der Text ist von Ulrich Schaffer, einem deutschen Autor, der in Kanada zu Hause ist und hat den Titel:

Was wir sein werden: (Ich teile den Text hier, weil der Autor aufgefordert hat, ihn zu teilen)

Die neuen Menschen sind schon unter uns.
Mit ihrem Leben arbeiten sie an einer neuen Wirklichkeit
und wollen sie mit uns teilen.

Der neue Mann und die neue Frau
werden nicht das Bedürfnis haben, gebraucht zu werden,
und doch wird die Welt sie brauchen, um zu überleben.

Sie werden gelernt haben, in sich vollständig zu sein.
Da wird keine Rede von der besseren Hälfte sein,
und kein Wunsch, jemandem oder etwas zu gehören,
um wertvoll zu sein.

Sie werden der Konkurrenz absagen, großzügig sein
und Situationen schaffen, in denen alle gewinnen.

Sie werden in der sichtbaren Welt zu Hause sein,
sowie in der Welt, die nur mit Augen der Hoffnung zu sehen ist.
Sie werden allem, das Leben fördert, verbunden sein.

Sie werden wissen, dass die Zeit kostbar ist,
und trotzdem nicht unruhig und ungeduldig werden.
Sie werden realistisch sein
und doch die Hoffnung nicht verlieren.

Sie sind Menschen der Wahl und der Selbstbestimmung.
Sie lassen sich nicht von anderen leben
und leben nicht das Leben anderer.
Sie haben ihr Leben gewählt.

Sie haben sich für Werte entschieden und sie nicht nur geerbt.
Sie haben ihre Sorge für den Einzelnen
mit ihrer Sorge für die Welt verbunden
und opfern die eine nicht für die andere.

Sie werden die Hilflosen ehren und den Leidenden helfen.
Sie werden mit ihrem Wesen wissen,
dass wir eine unzertrennliche Familie sind.

Sie wissen, dass alle wahre Veränderung
die Veränderung des Herzens ist
und lassen sich so nicht mit Sprüchen und Lobreden fangen.

Ihr Leben ist ausgewogen,
aber nicht ohne Leidenschaft,
und doch nicht nur ihren Gefühlen unterworfen.

Sie begreifen, dass regieren dienen heißt
und echt sein verantwortlich zu werden heißt.
Sie verstehen, dass hassen morden ist,
erst sich selbst und dann das, was man hasst.

Sie werden das durchschauen,
was keinen bleibenden Wert hat,
und es nicht für sich wählen.
Sie werden ihr Leben nicht anfüllen mit dem,
was sie entleert und von dem ablenkt,
was ihnen wichtig ist.

Sie werden keine Angst vor der Angst haben,
weil sie schon lange wissen,
dass Einsichten aus der Angst erwachsen können
und Einsicht oft der erste Schritt zur Veränderung ist.
Ihre Angst lähmt sie nicht,
aber sie gibt ihnen eine Dringlichkeit,
in der sie sorgfältig und genau arbeiten,
mitten in ihrer Vision für eine bessere Welt.

Sie lassen sich nicht entmutigen
von dem Gedanken der Erbsünde,
weil sie an den Erbsegen glauben.
Ihr Gott hat eine grenzenlose Leidenschaft für die Welt,
und von Gott lernen sie diese Leidenschaft.

Ihr Leben besteht aus einem Stück.
Sie können nicht hier hassen und dort lieben,
sie können nicht gleichzeitig verachten und fördern,
sie können nicht blind für eine
und aufmerksam für eine andere Sache sein,
weil sie schon lange begriffen haben,
dass alles miteinander verbunden ist,
weil wir nur ein Herz in uns tragen.

Diese neuen Menschen 

werden eine neue Welt herbeibeten,

herbeiglauben, herbeilieben, herbeihandeln.
Sie werden nicht aufgeben,
auch wenn es finster aussieht.
Bedingungslos lieben sie die Welt
und wollen sie retten,
und nichts wird sie davon abhalten.  [Ende Text]

Ich bin verleitet, jetzt meine Gedanken mit einem „Amen“ abzuschließen. Denn meinem Gefühl nach kann man nach diesem tiefsinnigen Text nur sagen: „Amen. So sei es.“

Nur zwei Dinge möchte ich dennoch anfügen:

Sagen wir, wenn wir von unserer Partnerin, unserem Partner sprechen, nicht mehr „die bessere Hälfte“. Denn damit sprechen wir uns selbst unsere Vollständigkeit, unsere Ganzheit ab. Wir dürfen an die gute Hälfte auch in uns glauben. Das fällt nicht immer leicht, aber es ist an der Zeit, das Gute zu ehren. Natürlich in den anderen, aber auch in uns selbst. Wir sind als Glaubende und Liebende „Kinder des Lichtes“. Und deshalb dürfen wir unsere Schönheit, auch unsere innere Schönheit, nicht verstecken, sondern sie leuchten lassen für all unsere Mitmenschen, die dieses helle Licht so dringend brauchen.

Und das zweite, das ich noch anfügen möchte:

Seien wir Visionäre der Liebe.

Seien wir Ermutiger – Kritiker hat die Welt schon genug.

Seinen wir Liebende mit Hirn, Herz, Seele und Körper.

Lassen wir uns jeden Tag mehr ein auf das Geheimnis der Liebe. Nennen wir dieses Liebe Gott. Und lassen wir Gott „machen“. Denn er weiß um das, was wir brauchen, wie wir im Evangelium gehört haben. Ein bisschen mehr Sorglosigkeit schadet uns nicht. Eine Einsicht, die mich immer wieder einholt, stammt von einem Menschen, der für uns Jugendleiter einmal Exerzitien gehalten hat:

Schlagen wir doch den Nagel nicht immer an der dicksten Stelle des Brettes ein, sondern an der dünnsten.

Die Sorglosigkeit, die Jesus beschrieben hat, ist ja keine Dummheit oder Unwissenheit. Sie ist nur eine Lebenseinstellung, die es uns ermöglicht, Menschen der Liebe zu sein. Weder verbissen, krampfhaft, noch unverantwortlich. Einfach vertrauend, dass es da einen gibt, der uns schon geliebt hat, als wir noch gar nicht denken konnten. Der unseren Weg der Liebe mitgeht. Auch durch die Stunden und Jahre hindurch, die dunkel sind. Und irgendwann, wenn unser Leben erfüllt ist, wird sich vielleicht ein Stück der Vision davon erfüllt haben, was wir sein werden.

Warum gibts du Gott die schäbigsten Minuten des Tages?


Die letzten beiden Teile des vierteiligen Linzer Bibelkurses in der Pfarre Waizenkirchen bestritt/bestreitet der Neumarkter Theologe („Lester Hof“) und Israel-Reiseführer Mag. Martin Zellinger. Das Thema des letzten Abends war das Buch der Psalmen. Es war ein spiritueller Abend, wo Herr Zellinger auch über das Beten an sich sprach. Unter anderem brachte er die Frage zur Sprache, warum wir unser Beten oft auf die Zeit vor dem Einschlafen beschränkten. Es wären die schäbigsten (armseligsten, ärmlichsten) Minuten des Tages.

Ich war direkt erleichtert, als eine Kursteilnehmerin Widerspruch einlegte: „Das sind nicht die schäbigsten Minuten des Tages. Das ist eine sehr schöne Zeit, es überkommt mich Dankbarkeit und ich schaue in dieser Haltung auf den Tag zurück.“

Auch ich empfinde die Gebetsminuten vor dem Einschlafen nicht als schäbig. Meistens denke ich darüber nach, wofür ich an diesem Tag dankbar sein kann und ich bitte um Kraft für Dinge, die mir nicht so leicht von der Hand gehen.

Trotzdem habe ich in den letzten Wochen zwei Mal eine andere Erfahrung machen dürfen.

Am 25. Februar wurde unsere Tochter Miriam geboren. Sie kam kurz vor Mitternacht zur Welt. Bis alles „friedlich“ war und ich dann zu Hause ankam, war es drei Uhr früh. Mich schlafen zu legen fiel mir nicht ein. Ich war hellwach und innerlich erfüllt von Glücksgefühlen. Es war ein Beten ohne viele Worte, so intensiv, wie ich es sonst kaum erlebe.

Die zweite ähnliche Erfahrung machte ich heute, Freitag. Weil der Pfarrer krankheitshalber die Frühmesse nicht feiern konnte, hielt ich um sieben Uhr einen Wortgottesdienst. Um fünf Uhr war ich bereits wach, weil unsere ältere Tochter unruhig geschlafen hatte. Um sechs Uhr fuhr ich dann los Richtung Waizenkirchen. Die Zeit vom Aufwachen bis nach dem Gottesdienst habe ich als großes Geschenk erlebt.

Normalerweise werde ich erst irgendwann am Vormittag „richtig“ wach. Aber diese beiden Gebetserfahrungen am frühen Morgen haben mir gezeigt, was Martin Zellinger gemeint hat: „Warum schenken wir Gott nicht die früheste, frischeste Zeit des Tages?“

Blogstöckchen aufgenommen – Gespräch von Blog zu Blog


„Ein Blog sollte nicht nur der Information, sondern auch der Kommunikation dienen. Vernetzung lautet das Zauberwort. Eine Möglichkeit, mit anderen Blogschreiberinnen und -schreibern in Austausch zu kommen, ist es, sich in der Art von Kettenbriefen gegenseitig Fragen zu stellen und um Beantwortung zu bitten, „Blogstöckchen“ genannt.“ – so schreibt Andrea Rehn-Laryea im Blog der Katholischen Urlauberseelsorge in der Lüneburger Heide. Andrea durfte ich im Sommer in Wien persönlich kennenlerenen.

Die fünf Fragen, die sie (@KircheHeide) unter anderem mir (@sprichmitmir) via Twitter stellte, beantworte ich hier:

Kirche/Religion im Urlaub: Besuchst du Kirchen/Gotteshäuser, Gottesdienste oder kirchliche/religiöse Veranstaltungen und warum bzw. warum eher nicht, niemals?

Im Urlaub sehe ich mir sehr gerne Kirchen, Klöster, Ausgrabungen oder Museen an. Sie vermittteln einen Eindruck von Kirche, Religiosität, Kultur und Gesellschaft in anderen Ländern bzw. in der Vergangenheit. Religiöse Veranstaltungen und Gottesdienste besuche ich das Jahr hindurch genug, da nehme ich mir im Sommer eher eine Auszeit, auch um danach die eigene religiöse Praxis wieder mit einem gesunden Abstand sehen und beurteilen zu können.

Mit welcher biblischen Person würdest du dich gerne mal unterhalten und worüber?

Mit Jesus. Ich würde über alles Mögliche mit ihm reden wollen. Außerdem würde ich gerne mit einer der bekannten alttestamentlichen Figuren wie Abraham, Sara oder Mose reden wollen. Und dazu natürlich die entsprechende Zeit haben.

Eine Flut von Adventskalendern bricht demnächst über uns ein. Was für einen bevorzugst du: online, per Mail, mit Schoki & Co, gekauft oder selbstgemacht, gar keinen, …?

Seit ein paar Jahren haben meine Frau und ich den „Andere Zeiten e.V. Initiativen zum Kirchenjahr“ Adventkalender aus Hamburg in Verwendung. Eine gute Freundin hat ihn mir schon manchmal zum Geburtstag einen Monat vor Adventbeginn geschenkt. Meine Frau und ich lesen jeden Tag bei einer Mahlzeit vorher oder nachher den Tagesimpuls. Dabei brennt meist eine Kerze. Online hab ich auch schon bei einem Adventkalender mitgemacht.

Wie feierst du am liebsten Weihnachten: in der Familie, mit Freund_inn_en, alleine, auf einer Feier für und mit Einsamen und/oder Obdachlosen, im Kloster, ruhig oder Party, bei der Arbeit, …?

Seit vielen Jahren feiern meine Frau und ich den Heiligen Abend und den Weihnachtstag bis Mittag bei ihren Eltern. Die Reihenfolge ist: Bratwürstel essen, Kerzen am Christbaum entzünden, Schwiegervater liest Weihnachtsevangelium, Texte und Lieder werden gelesen und gesungen, Geschenke werden ausgepackt und Kekse verkostet. Um 23 Uhr geht’s dann zur Christmette. Am Weihnachtstag Messe, festliches Mittagessen. Seit 2012 arbeite ich als Pastoralassistent, dieses Jahr bin ich am 24. Dezember zwei Mal im Dienst, Kindermette und Christmette in meiner Dienstpfarre, das restliche „Programm“ bleibt gleich. Ab nächstem Jahr wollen meine Frau und ich gemeinsam mit unserer dann zwei Jahre alten Tochter zu dritt daheim feiern am Heiligen Abend. Wie das drumherum aussehen wird, wird sich zeigen.

Welches ist nach deiner Meinung die größte Herausforderung für die Kirchen in den nächsten Jahren?

(Europa) Ich sehe drei große Herausforderungen für die Kirchen in den nächsten Jahren. Die erste liegt m.M. nach im verstärkten Dialog mit den anderen Weltreligionen, im Ausbau der ökumenischen Beziehungen auf allen Ebenen. Die zweite große Herausforderung orte ich im Dialogfähig werden der Kirchen gegenüber einer zunehmend säkularen Gesellschaft. Dazu gehören basiskirchliche Vernetzung sowie glaubhafte Einzelpersonen, denen eine Teilung in „Kirche“ und „Welt“ fremd ist. Und die dritte Herausforderung liegt meiner Ansicht nach in der innerkirchlichen Rückbesinnung auf die jesuanischen und biblischen (besonders jüdischen) Wurzeln der Kirche. Die nächsten Jahre werden nicht reichen, es werden wohl Jahrzehnte.

So, und nun möchte ich das „Blogstöckchen“ mit meinen Fragen weitergeben. Direkt eingeladen habe ich
Melanie Wurzer (Twitter: @MelanieWurzer, Blog: melaniewurzer.blogspot.co.at)
Ferdinand Kaineder (Twitter: @fkaineder, Blog: kaineder.at)
Michael Haderer (Twitter: @Haderer, Blog: michael.haderers.at)
David Schellander (Twitter: @schellcom, Website: davidschellander.com)
Doris Neuhofer (Twitter: @nedo04, Blog: borsetta.wordpress.com)

Natürlich kann auch jede und jeder andere, die/der das gerne möchte, mitmachen und die Fragen beantworten bzw im Anschluss neue Fragen formulieren und weitergeben. Wenn ihr in einem Kommentar schreibt, wo etwas zu lesen ist, würde mich das freuen!

Meine Fragen:

Welches (kirchliche) Ereignis der letzten Jahrzehnte ist dir in guter Erinnerung und warum denkst du gerne/nicht gerne daran?

Wer waren bzw sind für dich die „glaubhaften Zeugen“ und welchen Einfluss haben / hatten sie auf den Verlauf deiner Biografie?

Welches Ritual ist dir im Laufe der Jahre lieb geworden?

Was bedeutet für dich der Umstand, dass das Internet für immer mehr Menschen zum „richtigen Leben“ dazugehört?

Und die letzte Frage übernehme ich von Andrea:
Welches ist nach deiner Meinung die größte Herausforderung für die Kirchen in den nächsten Jahren?

Wirtschaftsmotor Faulheit


Der Lebenszyklus von Produkten wird immer kürzer, das liegt an verschiedenen Umständen. Neue Produkte auf dem Markt zu platzieren wird immer schwieriger. Was aber auffällt, ist eine sehr erfolgreiche Variable, die sich wie eine Konstante in die Wirtschaft eingeschlichen hat. Zuerst fanden Produkte großen Anklang, die „Arbeitserleichterung“ versprachen, nun sind es Dienstleistungen und Produkte, die dem „Zeitmangel“ oder schlicht unserer Faulheit entgegenkommen.

Bild: Thomas Schmidt / pixelio.de

Bild: Thomas Schmidt / pixelio.de

Bei der (Un)Menge an Produkten, die täglich hergestellt, gekauft und konsumiert werden, ist es immer wieder auf’s Neue erstaunlich, mit wie vielen Innovationen „der Markt“ aufwartet. Kaum ein Tag vergeht in den industrialisierten Dienstleistungsgesellschaften, an dem nicht neue Produkte in die Geschäfte drängen und neue Dienstleistungen angeboten werden. Während sich manche Angebote nicht lange halten, haben andere bleibenden Erfolg. Und es liegt nicht immer nur an der Güte der Produkte oder Dienstleistungen, sondern oft an dem Umstand, dass damit menschliche Faulheit bedient wird oder wir aus „Zeitmangel“ etwas kaufen oder in Anspruch nehmen.

Bei manchen Produkten steckt der Wirtschaftsfaktor „Faulheit“ schon in der Produkt- bzw. Gattunsbezeichnung. „Convenience“-Produkte zum Beispiel sollen es uns „bequem“ machen. Gemeint ist hauptsächlich Fertigessen aus dem Supermarkt, am besten tiefgefroren, um es daheim länger bequem zu haben, ohne lästige Einkäufe zu erledigen. In dieselbe Kerbe schlagen Essenszusteller und die dazugehörigen Bestellmöglichkeiten. Onlinehandel und Zustellung sind ohnehin nicht mehr wegzudenken aus unserem Leben.

Wer will, kann sich monatelang versorgen (lassen), ohne auch nur einen Schritt vor die Haustüre zu setzen.

Waren es noch vor einigen Jahrzehnten die „neuen“ Haushaltsgeräte wie Waschmaschine, Küchenmaschine oder Mixer, die das Leben erleichterten, so sind es heute Produkte, die nicht unbedingt nötig wären, aber die halt sehr bequem sind. Gefrierschränke, die nicht mehr enteist werden müssen, Kaffeemaschinen, die sich selbst reinigen oder Staubsaugerroboter sind nur der Anfang. Fast alle Branchen sind auf den Zug der Faulheit aufgesprungen. Zu Recht, denn der Umsatz dürfte stimmen. Allerdings könnte man sich bei Bananen, die geschält, in Scheiben geschnitten und verpackt angeboten werden, doch auch die Frage stellen, ob es nicht irgendwann natürliche oder ökologische Einwände gegen solche Angebote gibt.

Grundsätzlich scheint die Zukunftsfrage für „Faulheitsprodukte“ zu sein: Noch bequem oder doch auf Umwegen wieder unbequem? Denn wer hat nicht schon die Autoelektronik verflucht, die als Fehlerursache nicht mehr von einem Laien behoben werden kann und einen Werkstatttermin unvermeidlich macht. Oder wer hat nicht schon einmal ein Produkt wieder verpackt und zurückgeschickt, das online bestellt wurde und nicht den Erwartungen entsprach? Zeitmangel oder Faulheit führen in Abhängigkeiten, die nicht mehr leicht abzuschütteln sind.

So lange wir uns jedenfalls freuen an den vielen „Erleichterungen“ und „Bequemlichkeiten“, die Unternehmen anbieten, so lange wir uns in Privat- und Arbeitsleben wie in einem Hamsterrad bewegen und uns immer mehr in immer neue Abhängigkeiten begeben, so lange wird der Wirtschaftsmotor „Faulheit“ Erfolg haben.

Familienrunde: Und bis wir uns wieder sehen…


…halte Gott dich fest in seiner Hand, heißt es in einem vertonten irischen Segenswunsch. Dieses Lied „Möge die Straße uns zusammen führen“ bildet seit Jahren den Abschluss unserer Familienrunden, die wir immer mit einer Vesper, einem kurzen Abendgebet, enden lassen. Sowohl die kleinen Gottesdienste als auch die halbjährlichen Treffen sind meiner Frau und mir zu liebgewonnenen Gewohnheiten geworden. Unsere Runde hat sich aus der gemeinsamen Ehevorbereitung heraus gebildet. Damals waren noch keine Kinder „an Board“, mittlerweile zählen wir bei einem Treffen zwischen fünf und zehn Kinder, je nachdem, wer Zeit hat, teilzunehmen.

Bild: flickr.com / cc sunchild_dd

Ein Brauch hat sich entwickelt

Der „Brauch“, der sich entwickelt hat, ist es, mit einem Impuls und einer kurzen „Arbeitsphase“ als Paar bzw. Familie zu beginnen, gemeinsam Mittag zu essen, bei Schönwetter spazieren zu gehen, sich über das Impulsthema auszutauschen und dann bei Kaffee und Kuchen noch einmal in der Gesamtgruppe auszutauschen. Zwischendurch gibt es viel Zeit und Raum, um zu „tratschen“ und mit den Kindern zu spielen.

Die Orte der Treffen waren schon sehr unterschiedlich. Von der eigenen Wohnung über eine Berghütte bis zu einem Eltern-Kind-Zentrum war schon einiges dabei. Wobei ich das letzte Treffen in einem Eltern-Kind-Zentrum am angenehmsten in Erinnerung habe, weil hier die Infrastruktur für Familien mit Kindern einfach gegeben ist und das zu einer guten Atmosphäre beiträgt.

Ungeschützter Austausch

Warum wir die Treffen immer noch machen, hat viele Gründe. Einer ist, dass es in diesem Rahmen möglich ist, sich ungeschützt über Dinge auszutauschen, die uns alle zugleich betreffen. Wir reden darüber, wie es uns in unseren Beziehungen geht, woran es uns mangelt, was wir einander Gutes tun und auch, was wir uns von unseren PartnerInnen wünschen. Wir teilen Sorgen und Freuden, die das Paarleben und das Familienleben mit sich bringen. Wir erzählen uns, wie es uns mit unseren Kindern geht, wie sich Beruf und Familie (nicht) unter einen Hut bringen lassen und wie uns manchmal die Belastungen auch zu groß sind und werden. Die inhaltlichen Impulse geben uns jedes Mal zumindest einen Ansporn, an der Beziehung zu „arbeiten“ und sie nicht dem Zufall oder den Gegebenheiten des Alltags auszuliefern.

Die Kinder geben den Takt vor

Waren die ersten Treffen ohne Kinder noch eher strukturiert durch die jeweils vorbereiteten Inhalte, so hat sich die Zeitgestaltung nach und nach den Bedürfnissen der Kinder angepasst. So wie das halt in einer Familie ist – die Kinder geben den Takt vor. Und es hat auch wirklich etwas angenehmes, dass das so ist. Die Kinder finden sich mit steigendem Alter zunehmend auch ohne Eltern ganz gut zurecht und wir Eltern brauchen nicht wie sonst so oft Rücksicht darauf nehmen, niemanden zu stören. Eine besonders schöne Erfahrung ist es für mich, dass die Kinder beim Singen und Beten am Ende ganz in dem aufgehen, was gerade passiert und sich anstecken lassen von der Atmosphäre, die die Erwachsenen erzeugen.

Und wenn dann wieder ein halbes Jahr um ist, heißt es wieder:

Möge die Straße uns zusammen führen…

Spiri-Caching


Spiri-Caching

Spiri-Caching in Micheldorf, Oberösterreich bei der Burg Altpernstein.

Gebete


Gebete ändern nicht die Welt. Aber Gebete verändern Menschen, und Menschen verändern die Welt.

Albert Schweitzer

Herbst-Gehen


Ein Spaziergang mit Kinderwagen. Kinder helfen, wesentlich zu werden und den Blick für das Schöne zu weiten.



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