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irgendwie geht alles weiter


irgendwie geht alles weiter

im kopf – eine leiter

nach oben, nach unten

irgendwie geht alles weiter

nachrichtenstrom reißt nicht ab

strom fällt aus

wasser fließt nicht mehr

fluss des lebens ist unterbrochen

irgendwie geht alles weiter

weiter und weiter

tod und sterben

und dazwischen geboren werden

flucht vor dem unvorstellbaren

irgendwie geht alles weiter

liebe brennt

alles brennt aus

von links, von rechts

wird angegriffen

irgendwie geht alles weiter

bloße hände halten auf

die zerstörerhorde

völkermorde

irgendwie geht alles weiter

etappensieg

der liebe

des feindes

blindheit und taubheit

auf allen seiten

irgendwie geht alles weiter

gestern war alles anders

zeitenwende

kriegsende.

(c) Bild: Magdalena Berger

Gehen für den Frieden


Seit ein paar Tagen spüre ich eine relative Unruhe in mir. In der Schule habe ich noch für meine Klasse einiges zu regeln, die neue Arbeit ab September geistert mir schon in Kopf und Herz herum und auch privat erlebe ich eine emotional starke Zeit. Dazu kommt, dass ich einige freie Stunden eher vor dem Computer verplempert habe, als die Sonnenstunden in der Natur zu nutzen. Zeiten der ungewollten Oberflächlichkeit und der persönlichen Tiefe haben sich in einer bedrückenden Weise vermischt. Jedenfalls spürte ich, dass mir eine Zeit alleine und gehen gut tun würden. Also Computer ausgeschaltet, raus Richtung Donau, alleine spazieren. Ein Gedanke drängt sich in den Vordergrund: „Traue keinem Gedanken, der nicht beim Gehen entstanden ist.“ Es ist ein Satz aus der ORF-Fernsehsendung „Der Wanderer“ und stammt (sinngemäß) von Markus Schlagnitweit.

Während des Gehens spüre ich zunehmend Boden unter den Füßen. Zwei, drei sehr wichtige Impulse für die unmittelbare Zukunft fallen mir ein. Ich nehme mir fest vor, sie so bald als möglich umzusetzen. Am Rückweg vom Spazierengehen treffe ich „Lülü“, wie er sich nennt. Er ist Franzose und ist unterwegs nach Betlehem.

Er spricht gutes Deutsch und wir reden ein paar Minuten, in denen wir nebeneinander hergehen. 15 bis 20 Kilometer schafft er am Tag, sagt er. Heute will er noch nach Linz, dann weiter nach Wien, Budapest, Sofia – bis nach Betlehem. Der Mann konnte mir in ein paar Minuten des Gesprächs das geben, wonach ich suchte: Festheit, Entschlossenheit, meine Spur wiederfinden, Frieden. Wir verabschiedeten uns an einer Wegkreuzung – ich fragte ihn noch, ob ich ihn mit seinem Esel fotografieren dürfe. Natürlich.

 

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