Herr Kleux und die Weihnachtsaktion


Herr Kleux ist ein guter Mensch. Er wohnt in der Tannengasse 13a im zweiten Stock in der Wohnung 7. Schon seit 14 Jahren mittlerweile. Er ist Junggeselle aus Überzeugung und investiert deshalb ziemlich viel Zeit in seinen Beruf als Redakteur bei der Regionalzeitung, dem „Stadtkurier“. Leitender Redakteur ist er mittlerweile. Vor zwei Jahren hat er seinen Vorgänger, der zur Konkurrenz gegangen ist, abgelöst.

Zu Beginn der Weihnachtszeit hat sich Herr Kleux dieses Jahr etwas Besonderes einfallen lassen. Er will Herrn Rogel seinen sehnlichsten Wunsch erfüllen: Ein Auftritt des stadtbekannten Schulchores in seiner Wohnung.
Schon seit eineinhalb Jahren ist Herr Kleux auf Twitter mit Herrn Rogel befreundet, der in derselben Stadt lebt. Über dieses soziale Nachrichten-Medium organisiert sich Herr Rogel sein Leben. Da er ein Pflegefall ist, kommt er selten aus seiner Wohnung raus. Frau B. erledigt die Einkäufe für ihn, Herr S. kümmert sich um die Post, Frau M. schupft den Haushalt. Und noch einige andere helfen Herrn Rogel, sein Leben zu meistern.

Herr Kleux will dieses soziale Projekt zur diesjährigen Weihnachtsaktion der Regionalzeitung machen. In den Redaktionssitzungen Anfang Dezember stellt er seine Idee vor und bittet einen Mitarbeiter, persönlichen Kontakt mit Herrn Rogel aufzunehmen und ein erstes Interview mit ihm zu machen. Mitte Dezember ist Herr Rogel auf der Titelseite des Stadtkuriers zu sehen. Daneben ein Bild des Schulchores, den er bei jedem Auftritt im Radio gehört hat. Sein Wunsch soll also wirklich in Erfüllung gehen. Am 24. Dezember wird „sein“ Chor bei ihm in der Wohnung singen. Herr Kleux ist glücklich, dass er etwas Gutes in die Wege geleitet hat. Und für die Zeitung ist es auch gut. Neben Sex, Kriminalität und Haustieren steigern auch soziale Aktionen die Leserzahlen.

Es ist der 22. Dezember und Herr Kleux ist mehr als gestresst. Werbekunden, die lästig sind, die Zustellung der Zeitung hinkt, weil viel Schnee gefallen ist die letzten Tage. Verärgerte Kunden am Telefon, der Posteingang seiner Emails quillt über. Herr Kleux ist eine ruhige Person, aber mittlerweile freut er sich auf den 24. Dezember, denn um 18 Uhr wird er die Redaktion verlassen und nichts mehr von der Zeitung wissen wollen. Da wird er dann auf Facebook und Twitter allen Freunden noch frohe Weihnachten wünschen. Bei Herrn Rogel will er sich dann am 25. Dezember via Twitter erkundigen, wie er den Besuch des Schulchores erlebt hat. Denn um 19 Uhr will er am Heiligen Abend nicht mehr im Dienst sein.

Nun ist er also da, der Heilige Abend. Alles ist sich für Herrn Kleux ausgegangen. Werbekunden sind zufrieden, die Leser auch, die Mitarbeiter durften um 16 Uhr nach Hause. Um 18 Uhr geht auch er als letzter aus der Redaktion. Es ist schon ziemlich ruhig in den Straßen der Stadt. Dunkelheit, Weihnachtsbeleuchtung und Christbäume zieren die Plätze und Häuser. Als Junggeselle will er diesen Heiligen Abend Essen gehen. Noch kurz in die Wohnung, um zu duschen und in einen feinen Anzug zu schlüpfen. Eile hat Herr Kleux heute nicht. Er schlendert den Weg von der Redaktion zur Tannengasse nach Hause. Heute geht er zu Fuß. Kurz vor 19 Uhr öffnet er den Hauseingang, geht die Treppe hoch in den zweiten Stock und schließt seine Wohnungstür auf und hinter sich zu. In der Nebenwohnung dürfte sich die Großfamilie angesagt haben, denn es ist ziemlich laut, es wird gelacht und geredet. Was genau, hört Herr Kleux nicht, obwohl die Wände dünn sind.

Plötzlich ist es vollkommen still in der Nachbarwohnung. Weihnachtliche Lieder erklingen, Herr Kleux versucht sich zu erinnern, weshalb ihm die Musik so vertraut ist. Ja, das hat er im Advent mehrmals im Radio gehört. Das ist… Das ist doch der bekannte Schulchor aus der Stadt. Jetzt wird Herrn Kleux etwas flau im Magen. Sein Nachbar? Herr Rogel wird doch nicht…

Herr Kleux schaltet den Computer ein, steigt ins Internet ein. Twitter, Herr Rogel. Tannengasse 13a/8 hat dieser als Adresse öffentlich angegeben. Das hat Herr Kleux bisher überlesen in den eifrigen Konversationen im Netz. Er wartet unentspannt auf das letzte Lied des Chores, hört wie wieder geredet wird. Im Treppenhaus vor seiner Tür wird es etwas lauter, die Schülerinnen und Schüler gehen die Stiegen runter. Es wird leiser, der letzte Schüler lässt die Haustür ins Schloss fallen. Nun traut sich auch Herr Kleux auf den Gang. Er geht zu seinem Wohnungsnachbarn und läutet. Es surrt. Die Tür geht auf und Herr Kleux tritt in die Wohnung, in der er noch nie gewesen ist. Alte Möbel, aber alles stilvoll. „Kommen sie näher“, sagt der Mann im Bett zum Chef der Stadtzeitung. „Wollen wir uns eine Pizza bestellen und zusammen essen? Ich war gespannt, ob sie’s rauskriegen, dass ich ihr Nachbar bin.“ Er lächelt. Da laufen dem Herrn Kleux die Tränen über die Wangen. „Es ist mir so peinlich, Herr Rogel. Bitte entschuldigen sie, Herr Rogel. Wie kann man nur so blind sein? Ich bin seit 14 Jahren ihr Nachbar und noch nie habe ich angeklopft. Es ist mir so peinlich.“
„Bestellen sie uns eine Pizza? Und vielleicht ein Fläschchen Rotwein?“
„Das machen wir“, lächelt nun auch Herr Kleux.
Es ist Heiliger Abend. Es ist Weihnachten.

Eine Weihnachtsgeschichte von Andreas Fürlinger

Werbung

Land der Krater


Vulkane haben Krater, das ist bekannt. Spätestens seit dem mittlerweile zu Berühmtheit gelangten isländischen Eyjafjallajökull. Dass Krater aber auch in Österreich ein Thema sind, ist neueren Datums. Als gestern auf einer Linzer Autobahn ein Loch mit zwölf Metern Durchmesser entstand, fragte sich manch Österreicher, ob das Vaterland denn nun zum Kraterland werde. Seit längerem sind die österreichischen Buckelpisten, die von manchen liebevoll „Autobahnen“ genannt werden, so manchem Fahrzeuglenker verhasst. Entweder, weil die zwei- bis dreispurigen Asphalt-Teppiche auf langen Strecken nur mit 80 km/h befahren werden können, oder weil die Reparaturen am eigenen Fahrzeug durch Schlaglöcher immer teurer werden. Erste Interpretationsversuche des ungewöhnlich großen Autobahnloches waren insbesondere von der „Iniatitive Fahrrad“ zu hören: „Wir vermuten, dass die verschwundenen Milliarden der ASFINAG einfach als Schüttmaterial verbaut wurden. Dass diese 500-Euro Scheine nun nachgeben, wundert uns nicht. Es wäre an der Zeit, dass auch mal Geld für Radler-freundliche Straßen ausgegeben würde.“ Der Verkehrsministerin wäre anzuraten, Österreichs Straßennetz bald auf Vordermann zu bringen, bevor die Diskussion um die Bundeshymne von neuem losgeht: Land der Berge, Land der Kra-a-ter…

(journalistische Übung)

Fünf Fehler beim Kaffee machen


Cappucino mit Schlag? Für einen Italiener ein Schlag ins Gesicht. Aber selbst „un caffé“ (ein Espresso) schmeckt in Italien einfach besser. Das hat Gründe. Stefano, mein Italiensch-Lehrer, hat mir verraten, welche fünf Fehler in Österreich und auch in anderen Ländern oft gemacht werden beim Kaffee machen:

1. Die Bohnen: Wer den Geschmack des Endproduktes gleich mal um 20 Prozent verschlechtern will, der lagert die Bohnen in einer lichtdurchlässigen Dose. Für ein perfektes Aroma müssen die Kaffee-Bohnen in einem lichtundurchlässigen Behältnis gelagert werden.

2. Das Mahlen der Bohnen: Um im Kaffeehaus auf Besucheranstürme reagieren zu können, werden die Bohnen oft schon mehrere Stunden vor Gebrauch gemahlen. Das verringert die Güte des fertigen Kaffees nochmals um 30 Prozent. Wer keinen Geschmacksverlust will, der sollte die Bohnen maximal eine halbe Stunde vor dem Herunterlassen mahlen, am besten unmittelbar davor.

3. Der Druck des Wassers: Es gibt ja viele Vollautomaten zur Kaffee-Herstellung. Bei guten (Gastro-)Maschinen lässt sich der Druck händisch regeln. Ideal sind 50 bis 60 bar.

4. Die Temperatur des Wassers: Auch dieser Faktor ist sehr wichtig für den guten Geschmack des Kaffees. Das Wasser soll mit minimal 87 und maximal 92 Grad durchlaufen.

5. Ein Löffel in der Tasse: Der Löffel in der Tasse (beim Herunterlassen oder beim Servieren) verringert die Temperatur des Getränks und mindert die Qualität deshalb.

Um diese 5 Faktoren zu beobachten, ist es eigentlich nötig, dass derjenige, der den Kaffee zubereitet, die Augen nicht von Maschine und Tasse lässt. Und wenn sie mal genau hinschauen, ist das kaum wo so in Österreich. Hierzulande sind wir ja eine große Bandbreite an Interpretationsmöglichkeiten „guten Kaffees“ gewohnt. In Italien kennt man da keine Kompromisse. Ein schlechter Kaffee wird nicht bezahlt. Und sollte doch einmal etwas schief gegangen sein, dann kann man mit einer Entschuldigung des Kellners rechnen.

Urlaub zum Nachlesen – Sommer 2010 mit Auto und Zelt über den Balkan nach Griechenland

Hinaus ins Leben – Ein halbes Jahr Freiwilligkeit in Indien


Hinaus ins Leben – Ein halbes Jahr Freiwilligkeit in Andhra Pradesh / Indien

Heute Abend war ich im Pfarrsaal Ottensheim bei einem Bildvortrag der jungen Ottensheimerin Theresa Baumgartner, die von Okotber 2008 bis März 2009 im Waisenhaus „Daddy’s Home“ in Andhra Pradesh, Indien, ein paar Monate ihres Lebens verbrachte. In diesem Haus, dem eine Schule angeschlossen ist, finden verstoßene Kinder oder Alte, Straßenkinder, HIV-Kranke und andere, die es in der indischen Gesellschaft schwer haben, Zuflucht und eine neue, sehr große Familie.

Viele Bilder und Textfolien, die Theresa’s Aufenthalt dokumentierten, haben mich tief berührt. Nicht, weil ich noch nie gesehen hatte, wie einfach, ärmlich und trotzdem freudig Menschen leben. Sondern deshalb, weil ich einige zwar nicht neue, aber dennoch vertiefende Erkenntnisse aus diesem Vortrag ziehen konnte:

In diesem Waisenhaus leben Hindus, Christen und Moslems problemlos zusammen. Es werden katholische Messen und ebenso hinduistische bzw. muslimische Feste gefeiert. Wenn ich an die Situation in Europa denke, wo Pseudo-ChristInnen gegen die drohende Gefahr, die von anderen Kulturen und Religionen ausgehe, hetzerische Kampagnen betreiben, dann denke ich mir: Von den einfachen und armen Menschen könnten wir lernen, denn für diese Menschen in Indien zählt nur eines: eine große Familie zu sein, in der jede und jeder seinen Teil dazu beiträgt, dass alles gut läuft.

Die Kluft von Arm und Reich ist in diesem ländlichen Gebiet Indiens sehr kontrastreich und deutlich. Unmittelbar nebeneinander existieren Menschen, die in großen Villen und andererseits in Zelt-Hütten leben. Das Kastenwesen des Hinduismus trägt dazu nicht unwesentlich bei und verhindert praktisch die Aufweichung der gesellschaftlichen Schranken, die es gibt.
Ohne etwas schwarz zu reden: Die Kluft zwischen Armen und Reichen wächst auch in den wohlhabenden Staaten Europas, nicht zuletzt in Österreich. Hier ist es nicht das Kastenwesen als wesentlicher „Stabilisierungs“-Faktor der gesellschaftlichen Verhältnisse, sondern die Politik, die die Aushöhlung der sozialen Standards verantwortet, die die Generationen nach dem zweiten Weltkrieg mit viel Fleiß und durch politisches Verantwortungsbewusstsein geschaffen haben. Dass wir schon eine gute Zeit lang weit weg von wirklichem Verantwortungsbewusstsein in der Politik leben, machen nicht zuletzt die Krisen der letzten Zeit deutlich.

In diesem Weisenhaus in Indien konnte sich Theresa nicht per Englisch mit den BewohnerInnen verständigen, weil deren Englisch-Kenntnisse nicht ausreichten. Also verständigten sie sich mit Händen und Füßen.
Wenn bei uns jemand nicht Deutsch kann, kann er oft damit rechnen, auf irgend eine Weise diskriminiert zu werden. Die christliche Sicht auf die Menschen als Kinder Gottes und somit als Schwestern und Brüder könnten wir sicher vertiefen. Denn dieser Blick macht deutlich, dass alle Hervortuerei wichtiger Menschen letztlich lächerlich ist. Arme Menschen haben den Blick Gottes: Weil du da bist, liebe ich dich. Die sprechenden Bilder von Theresa haben mir das sehr deutlich vor Augen geführt.

Den Bericht im Pfarrblatt Ottensheim von Theresas Freiwilligen-Zeit in Indien inklusive Fotos finden sie hier:
Bericht im Pfarrblatt Ottensheim (pdf)

Spanien und Portugal 2009 mit dem Auto – Urlaub zum Nachlesen


Dieser Artikel: Reiseberichte.com

In diesem Blog-Beitrag berichte ich vom vergangenen Urlaub 2009, der uns von Linz über Italien nach Spanien und Portugal führte. Wir haben die Reise mit Auto und Zelt unternommen und haben mit einer Ausnahme auf Campingplätzen übernachtet. Hier gibt’s auch nützliche Tips für Leute, die vorhaben, eine ähnliche Tour zu unternehmen (Preise, Hinweise usw.).

Zunächst die Route in Stichworten:

Linz – Florenz – Pisa – Livorno – Fährfahrt nach Barcelona – Torres – Madrid – Segovia – Salamanca – Avila – Aveiro (Portugal) – mit dem zug nach Porto und Coimbra – von Aveiro nach Sao Pedro de Muel – Batalha – Alcobaca – Lissabon (Costa Caprica) – Sintra – Lagos (Algarve) – Sevilla – Cordoba – Granada – Barcelona – Fährfahrt nach Genua – Verona – Brenner – Linz.

Insgesamt legten wir mit allem drum und dran ca. 6000 km zurück, wobei zu erwähnen ist, dass die Hälfte der Kilometer sich auf 4 Tage aufteilte, an denen wir große Strecken zurücklegten.

Nun die Details:

Tag (1) Am 9.7.2009 um 7.30 Uhr brachen wir von Linz auf nach Florenz, wo wir nach einem Stau am Apennin um 19.30 Uhr ankamen (ca. 800 km). Unser Campingplatz kostete zwar 34€ für 2 Personen/Auto/Zelt, aber dafür konnte man vom Busparkplatz oberhalb der Stadt über Stufen bequem in die Stadt (nicht länger als 10 Minuten zu Fuß). Abendstimmung traumhaft.

Tag (2) Nochmals in die Stadt Florenz, bei Tageslicht, Dombesichtigung – lange Schlange – deshalb nur von außen. Fahrt nach Pisa – Besichtigung des schiefen Turmes und der Kathedrale (Turm war uns zu teuer ~ 15 €/Person, Kathedrale 2€). Weiterfahrt nach Livorno, auf dem Weg Badeaufenthalt. Da wir bereits um 19.00 Uhr in Livorno eintrafen, machten wir noch einen Abstecher in die Stadt und fuhren dann um 24.00 Uhr mit der Fähre ab Richtung Barcelona.

Tag (3) Ankunft in Barcelona nach 20-stündiger Fährfahrt um 20.00 Uhr. Wir fuhren etwas Richtung Nord-Westen nach Torres, wo wir in einer Truckerabsteige um 45€ ein Doppelzimmer gebucht hatten.

Tag (4) 8.30 Uhr Weiterfahrt Richtung Segovia (bei Salamanca), ca. 650 km. Durch Madrid fuhren wir nur durch. Am späten Nachmittag erreichten wir den Campingplatz in Segovia. Der durchschnittliche Preis für einen durchschnittlich ausgestatteten Campingplatz in Spanien und Portugal beträgt ca. 20€ (manche nur 15€, manche bis zu 25€). Da in Spanien am Sonntag alles geschlossen hält (Supermärkte), machten wir uns auf in die Stadt und aßen dort zu Abend.

Tag (5) Besichtigung von Segovia: Aquädukt, Kathedrale mit Kreuzgang (€3/Person), Alcazar (€3/Person). Bei vielen Sehenswürdigkeiten in Spanien und Portugal erhält man Ermäßigungen: Studierende, Menschen mit Beeinträchtigungen, PensionistInnen usw… Manchmal ist für diese Gruppen der Eintritt auch gratis.

Tag (6) Fahrt nach Avila. Die Kathedrale ist sehenswert, nur er Kreuzgang war leider verglast. Die Weiterfahrt nach Salamanca hat sich 100% ausgezahlt: Die Stadt präsentierte sich uns in herrlicher Spät-Nachmittagsstimmung – viele Kirchen, Konvente, die Kathedrale, eine päpstliche Universität und vieles mehr. Capming „Regio“ mit gratis Internet im angeschlossenen Hotel.

Tag (7) Unser Ziel war Portugal – an diesem Tag erreichten wir es und sahen endlich den Atlantik. Unser Campingplatz war in Barra bei Aveiro. Abends kochten wir und genossen zu Dumpingpreisen Kaffe+Mehlspeise (Kaffee + 2 Mehlspeisen €3,40… da muss man schon zuschlagen).

Tag (8) Diesen Tag fuhren wir vom Bahnhof in Aveiro (wo es in der Nähe einen großen Gratis-Parkplatz gibt) mit dem zug nach Coimbra in den Süden (Zugfahrt €4,70/Person/Hinfahrt). Eine „steile “ Stadt im wahrsten Wortsinn. Romanische Kathedrale, Pastlerias (Bäckereien mit sauren und süßen Köstlichkeiten). Die Universität und die Bibliothek darin sind auf jeden Fall einen Besuch wert (für Studierende ermäßigt €5, sonst €7 – der geamte Komplex inklusive Kapelle, Gefängnis, Bibliothek und Uni). In der Uni befindet sich eine Mensa, in der man zu Öffnungszeiten günstig speisen kann (zb Tagessuppe €1,50).

Tag (9) Wieder unternahmen wir eine Zugfahrt – diesmal von Aveiro nach Porto. Wo es nicht schön ist in Porto ist es wenigstens interessant. Rathaus, Kathedrale und St. Franziskus-Kirche laden ein. In dieser Kirche befindet sich eine einzigartige Holzschnitzerei: der Baum Jesse (Stammbaum Jesu). Vor allem der Gang über die 2stöckige Brücke (vom Erbauer des Eiffel-Turmes) hat uns beeindruckt – gute Stadtansicht! Auch der Regionalbahnhof mit seinen Fliesenbildern im Inneren ist sehenswert.

Tag (10) Weiterfahrt nach Sao Pedro de Muel. Unterwegs besuchten wir in Tomar das Kloster des Christusordens, das eher wie eine Burg anmutet und sehr gute Einblicke in das Klosterleben des Mittelalters gibt.

Tag (11) Sonntag ist Gratis Tag in den großen Klöstern (von 9-14 Uhr). Deshalb haben wir uns für diesen Tag Batalha und Alcobaca vorgenommen – beides beeindruckende Klosteranlagen.

Tag (12) Faulenzertag am Campingplatz. Lesen, Strand, Abendessen und Spielen, wie fast immer am Abend.

Tag (13) Richtung Lissabon. Campingplatz an der Costa Caprica (die portugiesische staatliche Kette „Orbitur“ garantiert einigen Comfort, hat aber auch Nachteile, zb Zahlung im Voraus). Der Ort (Costa Caparica) ist wirklich nett und sehr touristisch.

Tag (14) Es gibt verschiedene Möglichkeiten, in die Stadt Lissabon zu kommen von der Costa Caparica aus: entweder mit Bus und Metro / Strassenbahn (Carris) oder mit Bus und Fähre direkt ins Zentrum. Der Bus ist ca. 10 Gehminuten vom Campingplatz entfernt, fährt 40 Minuten bis zur Prace Espana, kostet €2,75 pro Person/Strecke. Die Metro kostet pro Strecke ca. €1,10. Die weitaus bequemere Möglichkeit für uns war die Fahrt mit dem Bus nach Cascillas und von dort mit der Fähre direkt ins Zentrum von Lissabon. Die Fähre ist ein Billig-Transportmittel und kostet nur ca. 80 cent pro Fahrt/Person. Man benötigt eine aufladbare Karte (7 collinas) für 50 cent, und kann dann alles mögliche draufladen. Da es diesen Tag nieselte, machten wir bald wieder kehrt und warteten auf den folgenden Tag, um die Besichtigungen zu starten.

Tag (15) Ein mehr als perfekter Tag. Einige Besichtigungen. Auch Fahrt mit der Straßenbahn nach Belem (Turm von Belem). Die Straßenbahn kostet pro Strecke € 1,20/Person – egal wie weit und mit welcher Linie. Tickets gibt es entweder in der Straßenbahn (Kleingeld! – jedoch €1,40), oder an Kiosken, oder eben man kann eine Fahrt auf die 7 collinas-Karte laden (siehe oben – Fähre). Bei Belem gibt es ein wunderschönes Kloster (Jeronimos).

Tag (16) Rundfahrt in der Gegend von Sintra – ca. 35 km, viele Sehenswürdigkeiten auf dem Weg. Die Straße ist teilweise eng und unübersichtlich, aber wildromantisch. Palast von Sintra, Kloster Peninha (Blick über Lissabon), Fim da Europa – der westlichste Punkt Europas. Noch mehrere Sehenswürdigkeiten hätten auf uns gewartet, aber die Zeit war zu kurz.

Tag (17) In Lissabon mit der Strassenbahn Linie 28 („Touristenstrassenbahn“) hinauf zum Castel. Besichtigung eines Klosters mit den Fabeln des Theodor La Fontaine auf Fliesen (blau-weiß). Das Viertel Alfama lädt mit vielen kleinen lieben Gässchen zu einem Abendessen in einem der zahlreichen Lokale ein.

Tag (18) Aufbruch nach Lagos. Auf dem Weg besuchten wir in sengender Mittagshitze Evora (Weltkulturerbe, wie eh fast alles auf dieser Reise), eine Stadt, die auch für die vielen Produkte aus Kork bekannt ist. Weiße Häuser, römischer Tempel, Kathedrale… am Abend trafen wir in Lagos ein, wo wir 10 Gehminuten vom Zentrum einen Campingplatz gefunden haben (€19), der hauptsächlich von Briten besiedelt war.

Tag (19) Hier an der Algarve ist es am Meer einfach wunderschön. Türkises Wasser, Sandstrände, Buchten, Felsen mit Grotten und Höhlen entlang des Ufers – auch Bootstouren werden für ca. 20-30 € angeboten. Der Ort ist sehr touristisch (vor allem deutsche UrlauberInnen), zahlreiche Restaurants, Verkaufsstände und Läden laden ein.

Tag (20) Dieses Mal suchten wir einen anderen Strand, eine Bucht, die eher klein ist, dafür aber malerisch. Das vorletzte Mal Baden am Meer.

Tag (21) Letztes Mal am Vormittag am Meer an der Algarve. Wir verabschiedeten uns von Portugal und fuhren nach Sevilla (Zeitumstellung!). Auf der Fahrt machten wir Stop in dem kleinen Ort Almancil, wo die Kirche San Lorenzo (Fliesen-Kirche!) einen Abstecher wert ist.

Tag (22) Besuch von Sevilla (mit dem Bus – sehr einfach und billig: €1,35/Strecke/Person). Die Kathedrale hätte 8€/Person gekostet (keine Studierenden-Ermäßigung). Deswegen haben wir sie nur von außen besichtigt. Dafür Besichtigung des Alcazar. Im schattigen Garten machten wir eine Picknick Pause.

Tag (23) Diesen Tag ging es auf nach Granada. Doch auf halber Strecke besichtigten wir Cordoba. Die „Mezquita“-Kathedrale führt eindrucksvoll die Verschmelzung von Christentum und Islam vor augen – in eine ehemalige Moschee, deren Vorhof noch immer erhalten ist, ist einfach eine Kathedrale hineingebaut worden – einzigartig! Orangenhof. Am Abend erreichten wir Granada, wo wir unser Zelt wieder aufschlugen.

Tag (24) Besichtigung der Alhambra – diese Anlage ist wirklich einzigartig. Obwohl wir für den Besuch des Nasriden-Palastes 13.00 Uhr ausgewählt hatten (Mittags-Hitze), war es halb so schlimm, weil man viel im Inneren und in schattigen Gärten verbringt. Wer manuelische Baukunst bestaunen will, darf dieen Ort nicht versäumen!

Tag (25) Jetzt gings wirklich Richtung heimwärts: auf nach Barcelona. Unser Ziel war der kleine Ort Peniscola (wunderschön! – einmalige Lage – rundum von Meer umgeben).

Tag (26) schon um 6.45 Uhr läutete der Wecker, wir wollten bald noch in den Ort Peniscola zum fotografieren und fuhren dann nach Barcelona (noch 220 km). Die Fahrt war angenehm, lediglich das Anstellen um die Fährtickets dauerte 1 Stunde!. Um 13.30 Uhr konnten wir dann an Board gehen und fuhren um 15.00 Uhr ab.

Tag (27 – letzer Tag) Eigentlich war nach der Ankunft in Genua um 9.30 Uhr geplant, nach Verona zu fahren (ca. 200 km) und nach einer Stadtbesichtigung und einer Übernachtung am nächsten Tag heimzufahren (nochmals 600 km). Doch wir entschlossen uns, die 850 km von Genua nach Linz auf einmal zurückzulegen und machten nur in Salzburg/Freilassing eine große Pause und fuhren direkt nach Linz, wo wir um 21.30 Uhr ankamen.

Nachtwächter Führung Linz


Fotos von der Nachtwächterführung, Aussicht von der Stadtpfarrkirche Linz

Nachtwächter Linz

Am 3. Juli, 19.00 Uhr startete eine Nachtwächter Führung durch das Linz des Mittelalters vom Hauptplatz weg. Treffpunkt war 19.00 Uhr, altes Rathaus (Infos).

Ein mit original Kleidung ausgestatteter „Nachtwächter“ (siehe Fotos oben) erzählte in rund 2 Stunden sehr informativ vom Leben im Mittelalter und von den Aufgaben des Linzer Nachtwächters, den es bis 1938 (wenn ich mich richtig erinnere) gab.

Zu den Aufgaben dieser Institution gehörte vieles:

Die Nachtwächter machten in 2 Schichten bei Tag und Nacht ihre Touren in Linz. Die Stadttore mussten verschlossen werden, Ruhestörungen mussten „behoben“ werden, Betrunkene mussten nach Hause gebracht und dem Bürgermeister musste Bericht erstattet werden.

An den verschiedenen Orten der alten Handelsstadt (damals ca. 8000 EinwohnerInnen) sammelte der Nachtwächter seine Informationen ein (Wirtshäuser, Brunnen usw.) und verbreitete diese auch.

Inklusive war eine Turmbesteigung der Linzer Stadtpfarrkirche und die Besichtigung der „Türmerstube“ dort. Der Ausbick von oben ist wirklich beachtlich – das Zentrum von Linz kann gut überblickt werden.

Für EUR 12.- ist als Abschluss noch ein „Mahl“ (Gulasch/Beuschel + Pfiff Bier) im Gasthaus „Goldener Anker“ inklusive.

Der Nachtwächter erzählt auch, wie manche Redensarten entstanden. Ein Beispiel: Jemand, der auf  „Walz“ (Berufswanderschaft) ging, hatte am linken Ohr einen goldenen Ohrring, der als Krankenversicherung oder im Todesfall zur Abdeckung von Begräbniskosten diente. Hatte sich jemand etwas zu Schulden kommen lassen, das einer finanziellen Gutmachung bedurfte, so wurde ihm der Ohrring einfach herausgerissen, weswegen es heute heißt: „Schlitzohr“.

Hier nochmals der Link zu den Fotos (hauptsächlich Ausblick vom Turm der Stadtpfarrkirche):

Fotos von der Nachtwächterführung, Aussicht von der Stadtpfarrkirche Linz

Lange Nacht der Kirchen in Linz – Justizanstalt u.a.


Am 5.6.2009 war es wieder mal so weit: Die Kirchen der Ökumene in Oberösterreich (Altkatholische Kirche, Baptistengemeinde Linz, Evangelische Kirche AB und HB, Evangelisch-methodistische Kirche, Koptisch-orthodoxe, Römisch-katholische, Rumänisch-orthodoxe und Serbisch-orthodoxe Kirche) veranstalteten zum 4. Mal – gemeinsam mit anderen Orten und Städten in ganz Österreich – in Linz die Lange Nacht der Kirchen.

Mein heuriges Hauptaugenmerk galt der Veranstaltung in der Kapelle der Justizanstalt Linz, Pocherstrasse 9.
Die Teilnahme war nicht ganz einfach, musste man doch zuerst um 18.00 Uhr beim Dom-Center (Neuer Dom) Platzkarten unter Abgabe von Name, Anschrift und Geburtsdatum erstehen, und sich dann ab 19.30 Uhr beim Eingang der Justizanstalt in der Pocherstrasse mit Karte und Lichtbildausweis identifizieren. In 10er Gruppen ging es dann zuerst durch eine Sicherheitsschleuse und dann hinauf in die Kapelle der Justizanstalt.

Dort sprachen

  • Josef Pühringer, Leiter der Justizanstalt Linz
  • Hans-Peter Kirchgatterer, Präsident des Landesgerichtes Linz
  • Walter Eichinger, Richter des Landesgerichtes Linz
  • Thomas Pitters, evangelischer Gefängnisseelsorger in Linz und
  • Markus Vormayr, katholischer Gefängnisseelsorger in Linz.

Josef Pühringer informierte die ca. 100 TeilnehmerInnen, darunter auch Medienvertreter, über den Strafvollzug in Österreich, Oberösterreich und Linz. Er stellte die Aufgaben von Haftanstalten dar und gab auch einen Einblick in die Statistik. Gemerkt habe ich mir, dass die prozentuelle Aufteilung der Insassen sich so beläuft: 3% Jugendliche, 5% Frauen, und 92% erwachsene Männer.
Eine Powerpoint-Slideshow zeigte Bilder von den Zellen, der Arbeit und der Freizeitgestaltung der Insassen.

Hans Peter Kirchgatterer sprach einige Worte über den Zusammenhang von Landesgericht und Justizanstalt und Walter Eichinger legte die Parameter dar, die bei einer Untersuchungshaft berücksichtigt werden müssen.

Im Rahmen der Langen Nacht der Kirchen waren die BesucherInnen natürlich vor allem an der Arbeit der Gefängnisseelsorger interessiert.
Thomas Pitters und Markus Vormayr erzählten über ihre Tätigkeit in der Justizanstalt, über einzelne „Fälle“ (natürlich anonym) und über bewegende Momente, etwa den jährlichen Weihnachtsgottesdienst, der auch Hans-Peter Kirchgatterer oft ans Herz geht.
Herr Pitters betonte, dass niemand in seinen Gottesdiensten so gut verstehe, was es hieße, Gott sei ein „gnädiger Richter“, als die Häftlinge beim wöchentlichen Samstag-Gottesdienst (7.30 Uhr).
Die Häftlinge würden aus verschiedenen Motiven kommen: religiöse Anteilnahme, soziale Kontakte (wobei auch in der Kapelle das Komplizen-Verbot eingehalten wird), Mangel an anderen Programmangeboten am Samstag.

Im Anschluss bot sich für einige Minuiten die Gelegenheit, Fragen an die Vortragenden zu richten.

Den Abschluss bildeten ein von Pitters und Vormayr abwechselnd vorgetragener Psalm und ein Segen, der die BesucherInnen in die „lange Nacht“ entließ.

Willkommen bei meinem Blog!


Seit 1. April 2009 blogge ich hin und wieder. Es ist für mich eine Gelegenheit (halb)öffentlich über mich, Gott und die Welt nachzudenken. Vor allem die Urlaubsberichte erfreuen sich großer Leser_innenzahlen. Das freut mich, denn so sind Arbeit und Zeit, die hineinfließen, nicht umsonst. Ich wünsche Ihnen/dir ein angenehmes „Schnüffeln“ auf meinen Seiten!

%d Bloggern gefällt das: